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Streetart in Tübingen – Zwischen Anarchie und Galerie

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Wer durch die Tübinger Innenstadt läuft, entdeckt sie an jeder Ecke – Graffitis, Stencils, Urban Knittings, Murals, Characters oder zusammengefasst: Street-Art.

Nicht für jeden ist Street-Art tatsächlich Kunst, auch ist sie meist nicht legal. Beinahe alle Street-Art-Künstler befinden sich in einem Spagat zwischen kreativem Schaffen und Straftat. So auch die Tübinger Street-Art-Künstler, die zu einem Interview bereit waren. Was reizt sie an dieser Kunstform und wie entsteht Street-Art?

Warum Tübingen besonders Street-Art-freundlich zu sein scheint, beantworten Polizei und Stadtverwaltung. Was unterscheidet die einzelnen Street-Art-Formen voneinander und wo hat Street-Art überhaupt ihren Ursprung?

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*Name von der Redaktion geändert

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Wie habt ihr angefangen Street-Art zu machen?

Ben:
Ich kam erst durchs Skaten zum Graffiti, der klassische Weg also. Sah dann auf den ersten Decks, dass Pieces drauf waren. Und ein guter Kumpel von mir aus der Nachbarschaft, der hat dann angefangen HipHop und Rap zu hören. Er hat mir HipHop dann auch näher gebracht, weil seine große Schwester immer wieder in London und Paris war und sie hat immer Platten gekauft und wir haben das aufgesogen, für uns war das total was Neues, Tolles.

Und irgendwann kamen so die typischen Filme, die jeder Graffitimaler mal sehen muss oder gesehen hat. Das waren Wild Style und Beat Street, die versucht haben, das komplette HipHop-Ding mit den fünf, wie sagt man, den fünf Armen zu zeigen. Also da war Graffiti dabei, Break Dance, Rap, MC, Beatboxing. Und alle diese fünf Elemente, das war dann HipHop.

Und wenn du so 13, 14 Jahre alt bist, dann willst du dich ausprobieren. Also hab ich versucht zu tanzen, das hat nicht wirklich funktioniert, rappen war auch nicht mein Ding. Und irgendwann bist du dann beim Graffiti angekommen und hast das ausprobiert.

Das erste Mal die Sprühdose bei deinen Eltern im Keller finden und dann einfach draufdrücken und dann kommt ein satter Strich Farbe raus – das werde ich nie vergessen. Der Geruch und alles Drum und Dran, das war irgendwie Magie!

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Wieso denkst du, dass so viele Leute, die die Kunstform für sich wählen, mit Sprayen anfangen, also wieso gerade Graffiti als Anfang und sich dann weiterentwickeln?

Ben:
Zum einen, wenn du genauer hinschaust, ist die Graffiti-Bewegung sehr männerdominiert. Auch gerade wegen diesem illegalen Aspekt. Dieser Adrenalin-Kick, das ist auch das, was mir ganz ehrlich am meisten fehlt, wenn ich für mich Kunst mache. Dann spürst du einfach mal wieder dieses Kribbeln dich beweisen zu wollen und auch zu sehen, was kannst du eigentlich noch. Das ist immer so ein Kick-Feeling, das du brauchst und ich glaube, dass ist auch der Punkt, warum das eher Jungs mögen, das ist auch so ein Ego-Ding.
Obwohl es immer mehr Frauen gibt, auch im illegalen Bereich. 

Du kommst natürlich auch in einen Bereich rein, den du als Normalbürger nicht siehst, du kommst in U-Bahnschächte rein, du siehst Dinge, die spannend sind. Allein das hat mehr Reiz als Farbe aufzutragen. Ich würde mal sagen, dass das bei mir mit diesem Kick angefangen hat, dem Verbotenen. Dieses, was kannst du in ein paar Stunden vollbringen und wie werden die Reaktionen am nächsten Tag sein. Und jetzt, man wird ja auch erwachsener, ist der Prozess des Gestaltens für mich spannender, da brauche ich auch einfach die Zeit. Das kann dann nicht mehr im Verbotenen, in der Dunkelheit stattfinden.

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Was ist deine persönliche Definition von Street-Art? Ab wann ist es Kunst und wann bloße Schmiererei?

Paul:
Für mich ist es Kunst, wenn es geplantes Handeln ist. Ich überleg mir vorher eine Idee. Graffiti-Künstler haben Bücher, in denen ihre Ideen sind, die Black Books. Vielleicht mach ich das Ding schon als Skizze fertig, mit Farbe und allem. Und dann gehe ich hin und tue es. Es gibt aber auch Leute, die so gut und so geübt sind, dass sie einfach losziehen können und trotzdem etwas Schönes hinbekommen. Aber ich behaupte, das ist eine relativ kleine Gruppe.

Für mich ist es Kunst, wenn man etwas entweder spontan oder geplant mit Ästhetik und Qualität hinbekommt. Nur weil jemand das Bedürfnis hat, es hinzuknallen, ist es nicht Kunst. Und je nachdem, wo es gemacht ist, wenn es zum Beispiel auf einer Sandsteinmauer ist, einem historischen Gebäude, dann hat es den Bereich der Kunst verlassen und ist tief in den Bereich der mutwilligen Zerstörung eingedrungen. Von Nichtsahnenden aus Übermut hin gekritzelt. Und ich kann nicht sagen, dass das besser ist, als wenn man einen Eimer Farbe an die Wand schleudert.

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Wie würdest du die Tübinger Street-Art-Szene beschreiben?

Ben:
Ich bin eher der Typ, der allein vor sich hin wurschtelt und seine Sachen macht. Ich würd mal sagen, ich bin auch schon die Vorstufe zum Graffiti-Rentner. Die Leute, mit denen ich male, sind Menschen die gerne an freien Flächen legal malen, auch Aufträge, wo man sich austauscht, das gibt mir auch mehr als früher rauszugehen, als dieser Stress… .

Ich kenn auch die ganze junge Szene nicht mehr. Man verfolgt es, man sieht es im Internet oder bekommt es auch so mal mit und es ist schön zu sehen, dass es Nachwuchs gibt. Über bestimmte Dinge kann man sich streiten, mein Gott, aber das zeigt auch, es geht weiter. Es gibt nie Stillstand und das ist auch ein Zeichen dafür, dass es Leute gibt, die sich dafür interessieren.

Ich hab mich auch früher immer geweigert, von „der Szene“ zu sprechen, weil ich nie den Eindruck hatte, dass eine Szene da ist. Klar, am Anfang malt man tatsächlich mehr für die Leute, die selbst malen. Das hat Vor- und Nachteile. Wenn du etwas Neues ausprobierst und die anderen kommen damit überhaupt nicht klar, kann das dann schon Auswirkungen auf dich haben. Entweder ich hör ganz auf, oder ich pass mich dem wieder an, was die anderen machen. In deiner Entwicklung bremst es dich enorm aus.

Da muss man sich dann auch fragen, ist die Szene förderlich oder nicht. Aber jeder muss selbst wissen, was er da tut und in welche Richtung er sich bewegen will.

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Würdet ihr sagen, dass Tübingen eher Street-Art-freundlich oder -feindlich ist?

Paul:
Ich glaube, es gibt Städte mit mehr Straßenkunst als Tübingen, zum Beispiel im Bereich Aufkleber. Ich denke da an Städte mit Aufkleberkunst und Wheetpaste, wo man ganze Straßenzüge sehen kann, die vollgekleistert sind.

Ich würde sagen, die Street-Art in Tübingen ist vom Umfang her nicht so ausgeprägt wie in einer Großstadt, wird aber in Tübingen mehr akzeptiert als in anderen Städten.


Ben:
Tübingen hat nach wie vor einen dörflichen Charakter, deshalb denke ich, dass Street-Art in Tübingen einfach mehr auffällt. Da sticht es schon hervor, wenn irgendwo mal ein Sticker ist oder irgendwas mit Graffiti und Stencil zu hat.

Das hat man auch vor ein paar Jahren gesehen, da gab es diesen Currywurst-Typen. Überall in der Stadt waren Currywurst-Sprüche. Einfach so ein Satz wie beispielsweise „Alle naslang Currywurst“ und die Leute haben davon geschwärmt. Sie haben darüber geredet, er hat es mitgekriegt und es aufgegriffen. Es waren immer so nette Sachen, weil er an bestimmten Orten Sprüche aufgegriffen hat, was geredet wurde und das hat einen Kontext geschaffen, der gut war. Das kam auch einmal in der Presse und dann haben sie gesagt, so und so hoch wär jetzt der Sachschaden. Da hast du gemerkt, ok, da hat sich schon etwas getan.

Ansonsten gibt es dann halt nicht wirklich viel, von dem man sagen könnte, es macht Tübingen besonders. Wenn man es mit Reutlingen vergleicht, Reutlingen hatte in den 90er Jahren und bis Mitte 2000 ziemlich gute Graffiti-Maler, die hatten einen eigenen Stil, der sehr beeinflusst war von New York und Heidelberg. Heidelberg war eine der führenden deutschen Städte im Bereich Graffiti und auch HipHop, das wurde da richtig gepusht.

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Stencil-Künstler Felix alias „eins92“ bei der Arbeit

Schablone für Schablone entsteht diese private Auftragsarbeit. 20 Stunden Vorbereitung und noch einmal drei Stunden für das Auftragen der Farbe stecken in diesem Kunstwerk.

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Street-Art-Künstler „Mango“ bei der Arbeit

Freestyle, aber nicht ohne Botschaft: Dieses farbenfrohe Graffiti widmet „Mango“ seinem verstorbenen Freund Miak. Knapp zwei Stunden nimmt er sich dafür an der legalen Fläche beim Jugendraum Mixed-Up Zeit. 

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Bis zum letzten Rest

Um auch noch an den letzten Rest der Farbe zu kommen, steigt „Mango“ auf die Spraydose und komprimiert sie, um den Druck ein bisschen zu erhöhen.

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Von Skinny bis Fat

Für dünne, feine Linien nutzt „Mango“ einen Sprühaufsatz mit kleiner Öffnung, ein Skinny Cap. Für weiche Farbübergänge eignet sich ein Soft Cap und mit dem breiten Strahl des Fat Cap können ganze Flächen gefüllt werden.

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Glossar und Background:

BZ Berner Zeitung (2015). Streetart – Kunst in der Grauzone. Abgerufen am 1. September von www.bzgrafik.ch/streetart/Glossar.html

Klitzke, K., Schmidt, C. (Hrsg.) (2009). Street Art. Legenden zur Straße. Berlin: Archiv der Jugendkulturen Verlag.

nemectv wirtschafts- & kunstfernsehen GmbH (2015). Glossar der Street Art. Abgerufen am 1. September 2015 von www.art-scene.tv/news/newsdetail/datum/2015/06/09/glossar-der-street-art-1.html 

Steinat, C. (2007). Graffiti. Auf Spurensuche im urbanen Zeichendschungel. Marburg: Tectum Verlag.


Fotos von „eins92“:
Felipe Feca Photographer

Nika Kramer Photography


Musik:
YouTube Audio-Bibliothek





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Übersicht

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Kapitel 1 Street Art in Tübingen – Zwischen Anarchie und Galerie

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Kapitel 2 Spotlights

Graffiti 1 gruppierung

Graffiti 3 gruppierung

Stencils 2 gruppierung

Urban knitting gruppierung
Kapitel 3 Background

Background 1
Kapitel 4 Interview mit Ben und Paul

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Kapitel 5 Glossar

Wortschatz 1
Kapitel 6 Spotlights

Schweinchen gruppierung

Falaffel   currywurst gruppierung

Schilder gruppierung

Komplimente gruppierung
Kapitel 7 Stencil-Künstler bei der Arbeit

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Kapitel 8 Spotlights

Dhl aufkleber gruppierung

Aufkleber fertige   selbstgemacht gruppierung

Aufkleber selbstgemachte   plastiken

Herzen   liebe gruppierung 2
Kapitel 9 Umfrage

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Kapitel 10 Glossar

Wortschatz 2
Kapitel 11 Interview mit der Stadt Tübingen

Img 7642
Kapitel 12 Spotlights

Politisches freiheit gruppierung

Politisches krieg gruppierung

Tanzen   kuscheln gruppierung

Elefant eno gruppierung
Kapitel 13 Mango bei der Arbeit

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Kapitel 14 Glossar

Wortschatz 3
Kapitel 15 Technik

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Kapitel 16 Background

Background 2
Kapitel 17 Technik

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Kapitel 18 Spotlights

Songtexte gruppierung

Edding gruppierung

Adhs   hq gruppierung

 meadchenfaft gruppierung
Kapitel 19 Umfrage

Img 7595
Kapitel 20 Interview mit der Polizei Tübibgen

Epplehaus querformat
Kapitel 21 Background

Background 3
Kapitel 22 Google Maps Karte

Screenshot
Kapitel 23 Ende

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