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Los geht's

Karlsruhe in 35mm

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Habt ihr euch auch überlegt, mal wieder eine analoge Kamera in die Hand zu nehmen und einen ganzen Film durch zu knipsen? Mit Papas alter Kamera, oder dem letzten Fund aus dem Second-Hand-Shop?
Analog ist wieder im Trend und das auch in Karlsruhe.
Auf 35 mm, dem Kleinbildformat, werden die Motive festgehalten. Wie? Wo? Wer? Warum?
All eure Fragen werden auf den nächsten Seiten beantwortet. 


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Das "jubez" in Karlsruhe am Kronenplatz ist eine kulturelle Einrichtung für Kinder und junge Erwachsene. Dort werden regelmäßig Veranstaltungen, wie Konzerte oder Workshops angeboten. Seit 1982 können Kinder und junge Erwachsene im Alter von 6 bis 27 Jahren dort ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Jeden Montag können Fotografiebegeisterte von 16:30 bis 21 Uhr im hauseigenen Fotolabor eigene Filme entwickeln und Bilder vergrößern. Das Fotolabor ist mit allem ausgestattet, man muss einfach nur seine Filmrolle mitbringen und los geht's!

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Ich studiere was mit Medien, neben Jutebeutel und Mate darf die analoge Kamera nicht fehlen. Also hab ich mal den Papa gefragt, als ich mal wieder in der Heimat war. Ich wusste mein Vater war früher Fotograf auf Veranstaltungen und hat die Bilder verschiedenen Zeitungen zur Verfügung gestellt. Dass seine Begeisterung für die Fotografie so groß war, überforderte mich dann doch etwas: „Ja klar kannst du meine Kamera haben, ich hab hier fünf verschiedene, Fujica oder Minolta oder Canon, brauchst du noch Objektive? Tele- oder Weitwinkel oder doch ein Makroobjektiv? Nimm noch den externen Auslöser noch und den Belichtungsmesser. Guck mal hier ist noch ein Pinsel zum Saubermachen…“
„Ja danke Papa…also das ist der Auslöser oder?“

Bepackt mit viel zu vielen Kameras und Objektiven ging es wieder zurück nach Karlsruhe. Der Fotografen-Karriere stand absolut nichts mehr im Weg. Außer, dass ich keine Batterie hatte. Und das ist auch noch ein Jahr später mein Problem. Papas Ausrüstung fliegt irgendwo im Schrank rum, direkt neben der Socken-Kiste.
Vielleicht sollte ich mir das mit den Medien nochmal überlegen.  

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Auf meine analoge Kamera bin ich eigentlich nur durch Zufall gestoßen. Ich habe das Flohmarkt-Zeug von meiner Oma durchwühlt und dann die Zorki 4k entdeckt. Nach kurzem Googeln wusste ich dann, dass es ein Leica II-Nachbau aus der Sowjetunion ist, der von 1972 bis 1978 gebaut wurde. Ich habe die Kamera dann mit nach Karlsruhe genommen und unseren Foto-Freak Felix gefragt, ob die gut ist. Wir haben zusammen den ersten Film gekauft und direkt vollgemacht, weil ich unbedingt das Ergebnis sehen wollte. Die Bilder waren mega gut und auch überraschend scharf. Seit dem habe ich eigentlich regelmäßig einen Film drin, es dauert aber  auch sehr lang bis er voll ist. Zwei Filme sind leider überhaupt nichts geworden und das hat mir auch irgendwie ein bisschen das Herz gebrochen. Aber das ist halt das Ding, wenn man sich entschließt analog zu fotografieren. Ich überlege mir immer, ob ich die Kamera wirklich mitnehme und wenn, dann entscheide ich auch sehr lang was ich fotografieren will. Man hat nicht viele Versuche und weiß auch erst wie das Bild aussieht, wenn man den Film entwickelt. In Zukunft will ich mich gern noch mehr in die analoge Fotografie reinlesen und arbeiten und vielleicht auch mal selbst einen Film entwickeln und Bilder vergrößern.

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Irgendwann bin ich auf der Suche nach einem Blitzgerät für meine digitale Kamera auf die analoge Kamera von meinem Papa gestoßen. Eine Canon AE-1 aus den 80er Jahren. Was mich daran fasziniert hat? Ich weiß es nicht genau, aber sie war aus Metall, schwerer als meine Digitale, hatte kein Display und auch keinen Automatik-Modus. Irgendwie wollte ich auf einmal wissen, was diese ganzen Zahlen wie Blendenzahl, Belichtungszeit und ISO bedeuten. Ich kaufte also eine Batterie, meinen ersten Film, einen Kodak Gold 200, ließ mir einige Sachen erklären und begann zu fotografieren. Die ersten 36 Bilder waren natürlich nicht die Besten, aber das ist jetzt etwa fünf Jahre und etwa 60 Rollen an Film her. Seitdem fotografiere ich fast nur noch analog und entwickle meine Schwarz-Weiß-Filme selbst. Was mich mittlerweile daran fasziniert? Dass ich bei jedem Motiv mehrmals nachdenke, wie ich es am besten fotografiere und nicht einfach 20 Bilder davon mache. Außerdem ist es immer noch jedes Mal spannend, wie die Bilder nach dem Entwickeln tatsächlich aussehen.

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Wer bist du und was machst du?

Ich bin Oliver Sigloch, 33, absolviere ein Zweitstudium an der Uni Heidelberg und arbeite an einer Heidelberger Schule. Davor habe ich in Tübingen Lehramt studiert, wo ich über Schwarz-Weiß-Kurse der Uni noch mehr die Liebe zur analogen Fotografie entdeckt habe. Gerade baue ich mir außerdem eine Selbstständigkeit als Fotograf auf. 



Wie bist du darauf gekommen?


Beide meiner Großväter und mein Vater haben gerne fotografiert und von ihnen habe ich auch super Kameras geerbt. Ich war schon immer fasziniert von dieser kleinen Maschine, die schöne Bilder in schwarz-weiß und in Farbe produziert. Das wollte ich auch können und dann habe ich mit 16 begonnen, mit einer kleinen, digitalen Kompaktkamera zu fotografieren. Als ich dann 2009 die alte Canon A-1 von meinem Vater bekommen habe, mit der er die Kindheit meiner Geschwister und von mir dokumentiert hat, begann ich, mich mehr mit der Fotografie zu beschäftigen. Irgendwann habe ich dann gedacht „Ich will eine steilere Lernkurve haben!“ und habe mir eine digitale Spiegelreflexkamera gekauft. Dadurch habe ich viel gelernt, aber mit der Ästhetik der Ergebnisse war ich nie wirklich zufrieden. Dann bin ich wieder zurück auf Film umgestiegen, womit die Lernkurve abflachte. Seitdem sind einige Jahre vergangen, in denen ich immer mehr fotografiert und dazugelernt habe. Nach einem Treffen im November 2017 mit einigen der derzeit einflussreichsten Filmfotografen in Europa bin ich jetzt entschiedener als je zuvor, nur noch analog zu fotografieren.

Warum analog? 


Mir taugt die analoge Vorgehensweise einfach besser, weil man von vornherein Beschränkungen unterliegt. Man ist gezwungen, sich vor der Aufnahme zu entscheiden, was man möchte – Farbe oder Schwarz-Weiß, rechteckig oder quadratisch. Dadurch, dass man nur wenige Bilder pro Film hat und die Kosten pro Bild im Kopf hat, wird man bereits bei der Aufnahme selektiver. Je weniger Bilder man mit einem Film machen kann, desto höher ist meist die „Keeper“-Rate. 
Außerdem mag ich einfach das Ergebnis, besonders die Farben, die Kontraste und die Hauttöne! Es ist schließlich ein anderes Medium. Film reagiert anders auf Licht als ein digitaler Sensor. Daher ist es eine ästhetische Entscheidung. Es gibt viele Fotografen, die diesen Film-Look für ihre digitalen Dateien kopieren. Ich finde, wenn man den Film-Look haben will, dann ist es am einfachsten, wenn man direkt auf Film fotografiert.
 Schließlich ist es für mich speziell bei der Fotografie mit Menschen sehr befreiend, kein Display zu haben, was mich ablenken könnte. Ich kann mich besser auf die Verbindung zwischen dem Menschen konzentrieren, mit dem ich gerade fotografiere. Wenn ich digital fotografiere, passiert es mir einfach viel zu oft, dass man dann doch runterguckt. Und sobald man runterschaut, ist diese Verbindung unterbrochen. Viele Leute, die ich analog fotografiere, wollen automatisch aufs Display gucken, aber sobald sie merken, dass da keines ist, sind sie wieder mehr in der Situation.



Ärgerst du dich über Lichtfehler?


Wenn ich meine Scans vom Labor erhalte und Belichtungsfehler entdecke, dann lerne ich dadurch meistens etwas. Ich ärgere mich aber zum Beispiel darüber, wenn es wegen eines mechanischen Fehlers der Kamera ungewollte Doppelbelichtungen gibt – dann steht eine Reparatur an. Wenn es aber ein ‚light leak‘ oder ein Emulsionsfehler ist, dann freue ich mich meistens über die Fehler, weil das etwas Unerwartetes ist. Man kann es nicht mehr ändern und akzeptiert es. Menschen sind nicht perfekt und machen Fehler. Das macht die analoge Fotografie menschlich und sympathisch.



Hast du Tipps für Einsteiger?


Das Wichtige ist, dass man – egal, mit was man fotografiert - zunächst einmal lernt, Licht zu sehen. Falls ihr ganz neu beginnt, dann sucht euch eine Kamera, die garantiert funktioniert. Dann würde ich mir einen externen Belichtungsmesser zulegen, um das Licht korrekt messen zu können. Bei Farbnegativfilm: Messt das Licht im Schatten. Sucht euch ein Fotolabor, mit dem ihr gut kommunizieren könnt. Oder entwickelt selbst. Konzentriert euch außerdem nicht nur auf die Fotografie, sondern genießt Inspiration in vielen Bereichen: Kunst, Literatur, Musik, Filme, Serien. Abschließend würde ich sagen, sucht euch ein persönliches Projekt, das ihr über eine festgelegte Zeit verfolgt. Dann habt ihr einen Projektrahmen und eine Deadline. Das hilft und ist wichtig. Und vor allem: Viel Spaß beim neugierigen Entdecken! Eine Kamera ist eine wunderbare Ausrede, Welten zu erkunden. Sie ist ein mächtiges Hilfsmittel, eure Stimme sprechen zu lassen. Was bewegt euch? Zeigt das.





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Das letzte Foto ist verschossen und der neue Film wird schon in die Spule eingelegt.  Wir schnappen uns jetzt unsere Kameras und gehen raus. Und das solltet ihr auch machen, die Welt durch den Sucher betrachten. 

Ein herzliches Dankeschön an...

...Carl Philipp Hohl, für deine Zeit und Investition an Filmen

...Kulturzentrum jubez, für die Bereitstellung des Fotolabors

...Mari Seibel, für ein spannendes Interview in Carls Wirtshaus

...Oliver Sigloch, für das nette und ausführliche Telefonat

...Prolab, für das fachliche Wissen  

...Nico Höfele, für deine musikalische Unterstützung















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