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Hebammen

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Steigende Beiträge für die Berufshaftpflicht, Neuregelungen und bürokratische Hürden erschweren den frei praktizierenden Hebammen ihre Arbeit.

6274 € beträgt aktuell die jährliche Beitragshöhe bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von etwa 7,50 € netto. Dies entspricht mehr als einem Viertel des Gesamteinkommens.

Für viele Hebammen führt das zum wirtschaftlichen Aus.
 

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Hebamme Christa Spitzner

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Zwei Prozent der Kinder kommen in Deutschland zuhause
oder in einem Geburtshaus zur Welt.
Knapp 2400 freiberufliche Hebammen bieten aktuell
noch Geburtshilfe an.

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Um eine Lösung bezüglich der  hohen Berufshaftpflicht zwischen den Hebammen (Hebammenverbände) und den Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) zu finden, wurde eine Schiedsstelle einberufen. Diese kam zu einem Schiedsspruch.

Die Hebamme bekommt auf Antrag 3270 € für ein halbes und 6540 € für ein ganzes Jahr als Ausgleich zur hohen Haftpflicht-
prämie. Voraussetzung: mindestens eine Hausgeburt im Quartal. Gleichzeitig wurde die Vergütung für die Geburtshilfe gesenkt. Begünstigt sind dadurch Hebammen mit wenigen Geburten.

Um den Zuschuss zu bekommen müssen Hebammen
jedoch bestimmte Bedingungen erfüllen. Wird z. B. der errechnete Geburtstermin um drei Tage überschritten, was nicht unüblich ist, muss ein Arzt die Hausgeburt genehmigen. Andernfalls entfällt der finanzielle Ausgleich.

Diese Arztpflicht ist einer der Gründe, warum der  Hebammen-
verband Widerspruch gegen den Schiedsspruch einlegt.

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Andere medizinische und Heilberufe, wie z. B. Logopäde, Ergo- oder Physiotherapeut, bedürfen ebenfalls einer Berufshaft-
pflicht. Diese ist im Vergleich jedoch nur ein Bruchteil dessen, was bei den Hebammen anfällt: knapp 100 € jährlich (Stand 2016).

Die Erklärung der Versicherer: Kinder und Erwachsene können sich während der Behandlung artikulieren, sollte es zu Schmerzen kommen. Dadurch kommt es selten zu heftigen Schadensfällen; und noch seltener zu einer Anklage.

(Quelle: Continentale)

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Grünenpolitikerin Beate Müller-Gemmeke zum Schiedsspruch

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Vollbild

Sehr geehrte Frau Dr. Pfeiffer,

als MedizinerInnen und Eltern möchten wir gerne Stellung beziehen zu Ihren Plänen, die außerklinischen Geburten nur bis zum errechneten Termin zu bezahlen und darüber hinaus nur nach fachärztlicher Zustimmung. Sie begründen dies in den Verhandlungen mit dem Deutschen Hebammenverband – und vor allem in der Öffentlichkeit – mit dem Argument der Sicherheit für Mutter und Kind.
Wir werden auch darauf eingehen, was nach internationaler Studienlage eine Geburt sicher macht.

Fachliche Anmerkungen zum sogenannten „Errechneten Termin“:
Die normale Schwangerschaftsdauer variiert stark. Eine aktuelle Studie zeigte auf, dass die Unterschiede bis zu 37 Tage betragen können. Einflussfaktoren sind das Lebensalter der Frau, die Dauer vorangegangener Schwangerschaften, das eigene Geburtsgewicht sowie ein hoher maternaler Body-Mass-Index vor und eine große Gewichtszunahme in der Schwangerschaft.
Zusätzlich unterliegt auch der sonografisch errechnete Termin – nach dem Sie sich nun richten wollen – diversen Einflussgrößen. Zum einen ist das Ergebnis von der Erfahrung der UntersucherIn abhängig. Bei unendlich vielen Messungen am gleichen Foetus ergäbe sich eine Gauß´sche Normalverteilung. Zu diesen Messfehlern addiert sich der systematische, gerätebedingte Messfehler. Zusätzlich kommt es bei der softwarebedingten Berechnung des Termins zu einem Fehler, der auf dem Berechnungsmodell aus statistischen Untersuchungen beruht. In der Summe ergibt sich ein errechneter Termin, der, je nach Gerät und UntersucherIn, um mehrere Tage variieren kann.
Fazit: Ein Facharztkonsil ist nicht gerechtfertigt bei einfacher Überschreitung des „Errechneten Termins“. Hier kann man von einer Überversorgung sprechen, die eine Interventionskaskade in Gang setzen kann. Die Behandlung Schwangerer bei Terminüberschreitung wird deutschlandweit sehr unterschiedlich gehandhabt. Manche GynäkologInnen empfehlen eine Einleitung ab ET +3, andere warten bis ET+7 oder länger, bis eingeleitet wird. Da es keine S3-Leitlinien zur Geburtseinleitung gibt, werden Facharztkonsile ohne weitere Indikation bei ET+3 keine Verbesserung der Qualität darstellen, zumal es sich bei geplanten Hausgeburten um Frauen mit niedrigem Schwangerschaftsrisiko handelt.
Im Gegenteil: es ist zu erwarten, dass die Zahl der Geburtseinleitungen – mit allen Folgen – weiter steigen wird.

Die Rolle der Hebammen

Hebammen sind in Deutschland bestens ausgebildete Fachfrauen für die normale Schwangerschaft und Geburt. Ein wichtiger Bestandteil der Hebammenarbeit ist das Erkennen von möglichen Pathologien in der Schwangerschaft. Hierzu sind sie befähigt, gerade bei Schwangeren in der Low-Risk-Gruppe, zu der Frauen mit geplanter Hausgeburt gehören. Wenn nötig, überweisen Hebammen die Schwangere an eine Fachärztin.
Außerklinische, von Hebammen betreute Geburten, haben ein niedrigeres Morbiditätsrisiko für Mutter und Kind, bei gleicher perinataler Mortalitätsrate im Vergleich mit Geburten im Krankenhaus.  Danach richten sich auch die NICE-Guidelines des NHS in Großbritannien, welche für Mehrgebärende ohne Risiken außerklinische Geburten empfehlen. Um die Qualität der Versorgung zu verbessern, empfiehlt sich eine bessere Zusammenarbeit der klinischen und außerklinischen GeburtshelferInnen, z.B. nach dem Vorbild der Niederlande.

Die Rolle der Frau

Die Entscheidung darüber, wo eine Frau ihr Kind zur Welt bringt, liegt letzten Endes immer bei ihr selbst. Medizinisches Fachpersonal kann und soll ihr dabei mit Rat und Fachwissen zur Seite stehen, aber nicht mehr. Schon heute besteht eine wirkliche Wahlfreiheit in vielen Gebieten Deutschlands nicht mehr. Durch Ihren Vorstoß würde sich nicht nur die Zahl an außerklinischen Geburten, sondern auch die Zahl an Hebammen, welche solche begleiten, weiter verringern. Eine weiter zunehmende Zentralisierung der Geburtshilfe mit immer längeren Anfahrtswegen unter der Geburt sowie eine Beschneidung des Rechtes auf freie Wahl des Geburtsortes wären die Folge.

Was erwarten wir von einer sicheren Geburtshilfe in Deutschland?

Eine 1:1-Betreuung unter der Geburt durch eine Fachkraft, sowie möglichst kurze Anfahrtswege zum Entbindungsort spielen für die Sicherheit von Mutter und Kind eine große Rolle. Die derzeitige Entwicklung in der Deutschen Geburtshilfe geht leider in die entgegengesetzte Richtung. Die jetzt schon bestehenden Versorgungslücken im ländlichen Raum führen zu längeren Anfahrtswegen und ungeplanten außerklinischen Geburten ohne qualifiziertes Fachpersonal.
Auch die steigende Zahl an Kaiserschnitten bereitet uns Sorge. Eine finanzielle Entlohnung für Kliniken, die einen hohen Prozentsatz an interventionsfreien (oder zumindest -armen) Geburten vorweisen können, würde, in Verbindung mit anderen Maßnahmen, diese Entwicklung zumindest bremsen, wenn nicht aufhalten können. Durch die hohe Zahl an Sectiones ergibt sich nicht nur aktuell eine steigende finanzielle Belastung für die Krankenkassen, sondern eine nicht absehbare Belastung für die Zukunft.
Wir brauchen in Deutschland nicht weniger, sondern mehr gut ausgebildete Hebammen, die in der Geburtshilfe tätig sind.
Wenn Sie tatsächlich an einer hohen Qualität in der Geburtshilfe interessiert sind, dann setzen Sie die 1:1-Betreuung als Standard in den Kliniken um. In der außerklinischen Geburtshilfe ist sie selbstverständlich.

Wir bitten Sie, Ihre Positionen in den Verhandlungen mit dem DHV zu überdenken und Ihre Verantwortung für die Zukunft der Geburtshilfe in Deutschland wahrzunehmen!

Mit freundlichen Grüßen

Christina Baris
Leitung Team Ärztekommunikation

Dr. phil. Katharina Hartmann
Vorstand / Leitung Wissenschaftsressort

Iris Appel und Lydia Abdallah
Team Ärztekommunikation


Mitzeichner:
Dr. med. Wolf Lütje – Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus Hamburg
Herbert Renz-Polster – Facharzt für Kinderheilkunde, Vogt
Bart Maris – Facharzt für Gynäkologie, Krefeld



Quelle: https://www.change.org/p/geburt-darf-keine-privatleistung-werden-gegen-die-wirtschaftlich-optimierte...)

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Kreisvorsitzende des Hebammenverbands Silke Weyreter über Lösungen im Ausland

In Österreich und den Niederlanden gibt es einen Haftungsfonds: Die Haftpflichtpauschale beträgt 100 € - den Rest übernimmt der Staat.

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Grünenpolitikerin Beate Müller-Gemmeke zu Wahl des Geburtsortes

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Ob zuhause, in einem Geburtshaus oder in einer Klinik – die freie Wahl des Geburtsortes ist gesetzlich zugesichert.
Auch wenn nur zwei Prozent der Frauen sich gegen eine klinische Geburt entscheiden – diese Möglichkeit zu haben, ist schwangeren Frauen wichtig.

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Lena über ihre Geburt im Geburtshaus

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Katharina über ihre Entscheidung für das Geburtshaus

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Eine vertraute Umgebung, die eigene Hebamme zur Seite und eine Atmosphäre, die eher heimelig denn klinisch anmutet – für manche Frauen sind dies wichtige und unverzichtbare Beweggründe, um das Geburtshaus der Klinik vorzuziehen.

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Christa Spitzner über die unsichere Zukunft, die durch den Schiedsspruch auf die Hebammen zukommt

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Überstunden, längere – unbezahlte – Untersuchungszeiten, ständig von Termin zu Termin unterwegs, immer rufbereit. Die Arbeit einer Hebamme fordert viel Zeit, Hingabe und Belastbarkeit – wird von der Gesellschaft jedoch wenig honoriert.

Aktuell bieten noch 2400 freiberufliche Hebammen Geburtshilfe an. Ab 1. Juli 2016 steigt die Haftpflichtprämie um weitere 9% auf 6843 €. Mit einem weiteren Rückgang in der freiberuflichen Geburtshilfe ist zu rechnen. Viele Frauen finden bereits jetzt schon keine Hebamme für eine Geburt zuhause oder in einem Geburtshaus.

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