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Fischers Fritz

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"Fischers Fritz fischt frische Fische"
passt nirgendwo besser als am Bodensee  –  sollte man meinen. 

Bereits seit dem frühen Mittelalter gibt es Berufsfischer am größten See Deutschlands.

Doch es ist ungewiss, wie lange die Fischer dort noch frische Fische fischen. Denn einer der ältesten Berufe am Bodensee, droht auszusterben. 









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Für die einen, ist der See ein Urlaubsziel.
Für die Fischer, ist er Existenzgrundlage.




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Peter Stohr und sein Sohn Roland, fahren jeden Morgen gemeinsam auf den See, um die Netze einzuholen. Der Fischereibetrieb der Familie existiert bereits seit 1928.

Der 72-Jährige Fischer hat sein Wissen um diesen traditionsreichen Beruf an seinen Sohn weitergegeben. Er weiß auch, dass Roland Stohr der letzte Fischer in der Familie sein wird.


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Der 51-Jährige ist Fischer in der dritten Generation. 

Gemeinsam mit seiner Familie lebt und arbeitet er in Wasserburg, einer 3500-Seelen-Gemeinde am bayerischen Bodenseeufer. 




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Für Roland Stohr liegt das Problem auf der Hand. Der See ist zu sauber. 

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Phosphat ist beides: Natürlicher Nährstoff, in zu hohen Mengen aber auch Schadstoff. 

In naturbelassenen, eiweißreichen Lebensmitteln, wie Hülsenfrüchten, spielt es eine wichtige Rolle für den menschlichen Organismus. Überflüssiges Phosphat wird vom Körper über die Nieren wieder ausgeschieden. Es ist außerdem ein häufiger Bestandteil der Lebensmittelindustrie. Phosphat findet sich unter anderem in Süßigkeiten, Wurst oder Brot. Nimmt man zu große Mengen davon zu sich, kann es zu einer Nierenfunktionsstörung kommen.
 
Phosphat steuert außerdem die Nahrungsmenge in einem Gewässer wie dem Bodensee. Ist nicht ausreichend Phosphat vorhanden, gibt es weniger Nahrung für Mikroorganismen und somit auch für die Fische. Durch Abwässer oder Düngemittel aus der Landwirtschaft, können ebenfalls Phosphate und andere Schadstoffe in den Bodensee gelangen. 




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Mitte des vergangenen Jahrhunderts lag die Phosphatkonzentration des Bodensees ungefähr bei acht Milligramm pro Kubikmeter. Nach Ende des zweiten Weltkriegs stieg die Bevölkerungsdichte um den See stark an. Bedingt durch den Bevölkerungsanstieg und die Verbreitung der Waschmaschinen in den 50er Jahren, wurden phosphathaltige Waschmittel zum größten "Verschmutzer" des Sees.

Der höchste Phosphatgehalt wurde in den 70er und 80er Jahren erreicht. Damals waren es rund 90 Milligramm pro Kubikmeter. Durch diese "Überdüngung" stieg das Algenwachstum rapide. Der See war durch den Sauerstoffmangel kurz davor "zu kippen". Der hohe Phosphatgehalt brachte aber einen Vorteil mit sich: Felchen, Barsch und Zander fanden Nahrung im Übermaß, wodurch sich ihr Wachstum verbesserte.

Um der starken Überdüngung entgegenzuwirken, wurden die Klärwerke am See aufgerüstet und das Phosphat in den Waschmitteln durch Alternativen wie Zitronensäure ersetzt. Heute finden sich noch sechs Milligramm Phosphat in einem Kubikmeter Bodenseewasser.

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Roland Stohr und seine Kollegen wünschen sich eine leichte Anhebung des Phosphatgehalts im Bodensee. Ein Anstieg um lediglich ein paar Milligramm pro Kubikmeter, entspreche immer noch einer natürlichen Konzentration und sei deshalb gut vertretbar. Die natürliche Konzentration liegt für Roland Stohr zwischen zehn bis zwölf Milligramm. "Wir leben von dem See, sind auf ihn angewiesen. Das Letzte was wir wollen, ist den See zu verschmutzen!"

Das Institut für Seenforschung gibt Empfehlungen über den Phosphatgehalt im Wasser an die Politik weiter.  Roland Stohr und sein Vater sehen darin ein Problem.

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Aufgabe des Langenargener Instituts ist es, den Bodensee anhand von Langzeitstudien und Forschungsprojekten zu beobachten. Die generierten Daten dienen dazu, Entscheidungsträger in der Politik zu beraten.   

Geologe Dr. Martin Wessels ist Forscher im Institut und beschäftigt sich mit dem Nährstoffgehalt im Bodensee.



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Der Referenzzustand ist der Zustand, den ein Gewässer ohne Beeinflussung von Menschen vorweist. Der Referenzzustand eines Sees wird anhand der potenziell natürlichen Trophie festgelegt. Das sogenannte Trophiesystem ist ein Bewertungssystem, das den Nährstoffgehalt in einem stehenden Gewässer wie dem Bodensee charakterisiert. Der Referenzzustand des Bodensees ist von Natur aus eher oligotroph. Das bedeutet, dass er wenig Nährstoffe und somit auch wenig Phosphat enthält.

"Sechs bis sieben Milligramm Phosphat pro Kubikmeter entspricht im Bodensee einer natürlichen Konzentration", so Dr. Martin Wessels. Alles darüber sei eine künstlich herbeigeführte Belastung.


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Der Phosphatgehalt im Bodensee blieb, laut Dr. Martin Wessels, in den letzten Jahren stabil. Die Fangerträge schwankten trotzdem massiv. Der Geologe sieht darin den Beweis, dass der Phosphatgehalt keine Auswirkungen auf das Wachstum der Fische hat.

Seiner Meinung nach spielen andere Faktoren eine Rolle. So müssen zum Beispiel Felchen mit anderen Fischarten um ausreichend Nahrung konkurieren.


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Roland Stohr ist anderer Meinung. Für ihn hängt der Phosphatgehalt und das Wachstum der Fische sehr wohl zusammen. 

Bemerkbar macht sich das bei Hochwasser.


   

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"So wie sich der Beruf eines KfZ- Mechanikers geändert hat, muss sich auch ein Fischer auf neue Gegebenheiten einstellen", meint Dr. Martin Wessels. Als Lösung schlägt er die Umstellung auf Aquakulturen vor. 

Dadurch könne der Beruf des Fischers erhalten bleiben. Ein Fischer würde weiterhin sein Geld mit dem Fang und Verkauf von Fischen verdienen.

Der Unterschied: Die Fische werden nicht im offenen See, sondern in Netzgehegen gefangen.

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"Das ist total absurd! Da hat man so einen großen See vor der Nase und soll stattdessen Fische in Aquakulturen züchten?!" (Roland Stohr, Fischer)



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Viele Urlauber kommen unter anderem wegen des kulinarischen Angebots in die Bodenseeregion. Doch die Mengen, die täglich in den Netzen der Fischer landen, reichen schon lange nicht mehr, um den Bedarf zu decken. Besonders in den Sommermonaten und mit steigender Zahl der Touristen kann die Nachfrage an Bodenseefelchen und Co. nicht mehr gedeckt werden. Aus diesem Grund muss jährlich tonnenweise Fisch aus anderen Regionen angekauft werden.

Roland Stohr zufolge war das Jahr 2015 für die Fischer das Schlechteste seit 100 Jahren. Nur noch zehn Prozent des verkauften Fisches kamen 2015 tatsächlich aus dem Bodensee. Vor einigen Jahren seien es noch rund 70 Prozent gewesen. 

Roland Stohr weiß aber, dass die rückläufigen Fangzahlen nicht ausschließlich auf den Phosphatmangel zurückzuführen sind.




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Lebensmittel aus der heimischen Region liegen im Trend. Immer mehr Verbraucher wollen wissen, woher ihr Essen kommt. 

Dr. Martin Wessels sieht keine Schwierigkeit darin, Fisch aus überregionalen Gegenden anzukaufen: "Joghurt und andere Lebensmittel werden schließlich auch hergefahren."

Für Roland Stohr und seine Kollegen hingegen, ist es wichtig, das regionale Lebensmittel "Fisch" zu erhalten. Sie finden es absurd, große Mengen aus anderen Gegenden zu beziehen.

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Roland Stohr musste, wie viele seiner Kollegen, die Weiterverarbeitung seiner Fische an die neuen und härteren Gegebenheiten anpassen. 

Noch vor ein paar Jahren war er lediglich für den Fang der Fische zuständig. Die gesamte Weiterverarbeitung  – ausnehmen, vorbereiten, verkaufen –  wurde von Anderen übernommen. Inzwischen macht er alles selbst. "Um Kosten zu sparen", sagt er. Anders würde es sich einfach nicht mehr lohnen. Seine Familie habe es in den vergangenen Jahren zwar schon geschafft Betriebskosten einzusparen, ausreichend sei das aber noch lange nicht.


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Die Haushaltskasse der Familie Stohr wird immer leerer. Um sie wieder zu füllen, geht die Frau des Fischers seit einer Weile an zwei Tagen der Woche arbeiten. Ob Roland Stohr sich vielleicht selbst bald einen Nebenjob suchen muss, bleibt abzuwarten. 

Für den Fall, dass es soweit kommt, sieht er sich aber mit einigen Problemen konfrontiert. 

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"Wenn bei den Bauern was ist, wie zum Beispiel der Milchpreisverfall, werden immer gleich hundert Millionen locker gemacht. Aber wegen ein paar Fischern wird nichts unternommen".
(Roland Stohr, Fischer)



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"Der Klimawandel führt zu mehr Algen und Plankton am Seegrund. Sauerstoff, der normalerweise gelöst im Wasser vorkommt und Algen abbaut, kann die vielen Algenschichten nicht mehr durchdringen. Deswegen wollen wir das Algenwachstum nicht mit noch mehr Phosphat im See künstlich fördern." 
(Dr. Martin Wessels, Geologe)

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Dr. Martin Wessels plädiert für den Erhalt des phosphatarmen Zustands des Sees und dessen Sauberkeit. 

Roland Stohr hingegen engagiert sich für einen sauberen, aber trotzdem nährstoffreichen Bodensee. Deswegen wirkt er aktiv bei der Initiative „Rettet den Bodensee“ mit. Mit Petitionen wollen sich die Fischer Gehör bei den zuständigen Behörden verschaffen.

Beide Seiten haben Argumente. Beide Seiten verfolgen ihre Anliegen zielstrebig. Wie lange die Fischer am Bodensee noch frische Fische fischen, kann wohl nur die Zeit beantworten.


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Kapitel 1 Bodensee und Tourismus

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Kapitel 3 Kapitel 2: Die Veränderung

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