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Europa lebt

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Findet noch jemand Europa sexy? O ja, die Studentinnen und Studenten an den Hochschulen. Das gilt auch für das KIT: Mehr als 600 nehmen pro Jahr am Austauschprogramm Erasmus+ teil, kommen ans KIT oder ziehen von hier aus los. Klaus Rümmele hat mit einigen von ihnen gesprochen – und mit den Menschen, die sie unterstützen.

Video: Patrick Langer, KIT

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Grafik: Annika Müller, KIT

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Das Erasmus+ Programm fördert den Austausch für ein Studium oder ein Praktikum von bis zu zwölf Monaten pro Studienphase. Oft kommt es vor, dass Studierende ihren ursprünglich geplanten Aufenthalt verlängern – etwa um ihre Abschlussarbeit zu schreiben. Oder sie verbringen in der Bachelor-Phase ein Semester am KIT und kommen in der Master-Phase noch einmal. Die Flexibilität sei ein großer Vorzug des Programms, sagt Mia Tjandisaka, im International Students Office (IStO) Koordinatorin für Studierende, die über Erasmus aus dem Ausland an das KIT kommen: „Die Studierenden können die zwölf Monate aufteilen, auch auf zwei Orte.“

Vor der Entscheidung für das KIT stellt sich vielen die Frage: „Wo ist Karlsruhe?“ Da helfe es, meint Tjandisaka, wenn ein Outgoer seinen neuen Kommilitonen begeistert vom KIT erzähle – zuletzt stieß ein Finne wieder so auf das KIT. Auch die Erfahrungen ehemaliger Studierender gäben oft den Ausschlag. Sie könnten positive Erlebnisse ebenso authentisch vermitteln wie Schwierigkeiten: „Nie ist alles toll“.

Was Carina Seckler beim Praktikum in Paris erlebte. 

„Wer sich bewegt, bewegt Europa!“ In Zeiten der Europa-Skepsis und der populistischen Angriffe auf die Europäische Union klingt das Motto des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zum 30. Geburtstag des Programms Erasmus+ ein wenig trotzig. Für Dr. Julia Johnsen, Erasmus-Hochschulkoordinatorin am KIT, setzen die Austauschstudierenden ein Zeichen: „Es werden immer mehr. Als würden sie sich sagen: Jetzt erst recht!“

Mein Erasmus – Fotowettbewerb zu 30 Jahren Austausch

Viele treibe der Wunsch an, neues zu entdecken, sagt Marco Martori, der sich um Studierende des KIT kümmert, die über Erasmus ins Ausland gehen wollen. „Eine große Rolle spielt auch, dass viele ihre Sprachkenntnisse verbessern wollen.“ Hinzu komme, so Julia Johnsen, dass viele Arbeitgeber Wert auf Auslandserfahrung legten – sie biete also Jobvorteile: „Gerade die Industrie will Leute, die wissen, was sie wollen und sich selbst motivieren können“. Andererseits hätten aber viele Studierende das Gefühl, sie dürften keine Zeit verlieren. „Erfahrung versus Zeitverlust – in diesem Spannungsfeld beraten wir“.

Mehr Tipps für internationale Studierende am KIT auf Facebook.

Wenn Incomings das IStO um Unterstützung bitten, geht es daneben oft auch um die Wohnungssuche und die Möglichkeit während des Aufenthalts nebenbei Geld zu verdienen. Auf dem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt in Karlsruhe hätten es ausländische Austauschstudierende besonders schwer, zum Teil auch, weil sie die Sprache noch nicht beherrschten. Wer durchhält, weiß Koordinatorin Mia Tjandisaka, „findet am Ende aber ein Zimmer.“

Foto: AK Erasmus


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Viele Informationen macht sie über die Webseite und in speziellen Handreichungen zugänglich, sodass die Studierenden im Gespräch mit ihr gezielte Fragen stellen können. Die Studierenden beantragen für jede Leistung, die sie im Ausland erbringen und später am KIT anerkennen lassen möchten, eine Anerkennungsvereinbarung beim jeweils zuständigen Prüfer. Alle geplanten und abgesegneten Leistungen werden dann in einem standardisierten Formular, dem Erasmus+ Learning Agreement, festgehalten. „Es ist wichtig, sich frühzeitig mit der Kurswahl auseinanderzusetzen und die formalen Prozesse, an die wir gebunden sind, rechtzeitig einzuleiten. Das gibt den Studierenden Sicherheit“, sagt Lorene Pioch. Sollte sich vor Ort ein Kurs ändern, „kann alles per E-Mail geklärt werden – auch hier ist die rechtzeitige Kommunikation durch die Studierenden elementar für einen reibungslosen Ablauf“. Das Learning Agreement werde aktualisiert und wieder unterschrieben – „so bleiben wir am Ball“.

Die Gefahr, dass sich das Studium wegen des Auslandsaufenthalts verlängere, sei somit kleiner. Sie spielt für viele Studierende, mit denen Lorene Pioch spricht, ohnehin keine allzu große Rolle: „Gerade die Wirtschaftsingenieurinnen und -ingenieure wollen viele Erfahrungen in ihren Lebenslauf aufnehmen.“. Die meisten Studierenden, die vom KIT mit Erasmus+ ins Ausland gehen, kommen Jahr für Jahr aus den Wirtschaftswissenschaften. Die KIT-Fakultät wählt unter den Bewerberinnen und Bewerbern nicht nur nach Leistung und nach Engagement außerhalb des Hörsaals aus, sondern berücksichtigt auch das in der Bewerbung geschilderte Studienvorhaben und die Motivation. „Die Studierenden haben aber auch konkrete Vorstellungen – viele suchen sich besonders prestigeträchtige Ziele aus.“ Sie motiviere sie, auch andere Orte in Betracht zu ziehen. Denn bei Erasmus+, findet Lorene Pioch, gehe es nicht in erster Linie um Karriere, sondern um Völkerverständigung. Entscheidend sei die Erfahrung, in einem anderen Land, an einer anderen Universität, in einem anderen System zurechtzukommen. Anderen Kulturen zu begegnen, interdisziplinär zu arbeiten – zum Beispiel  an vielen Partneruniversitäten in Frankreich, wo das praktische Tun in kleinen Gruppen vorherrsche. „Dabei entwickelt sich die Persönlichkeit“, sagt Pioch, die selbst in den USA war. Dass dies auch auf dem Arbeitsmarkt hilft, ist für sie ein schöner Nebeneffekt.

Wie am gesamten KIT gehen auch in den Wirtschaftswissenschaften mehr Erasmus-Studierende ins Ausland als ans KIT kommen. „Viele internationale Studierende bringen nur sehr geringe Deutschkenntnisse mit und suchen nach einem umfangreicheren englischsprachigen Kursangebot. Ein weiteres Hindernis sind die unterschiedlichen Semester- und Prüfungszeiträume, mit denen sich unsere Studierenden, die ins Ausland gehen, aufgrund flexiblerer Studienpläne in der Regel freier arrangieren können“, glaubt Lorene Pioch. Hinzu komme, dass Karlsruhe bei der Werbung um internationale Studierende gegen Städte wie Berlin und München einen schweren Stand habe. Wer ans KIT komme, sei von zwei Dingen überrascht: der freieren Kurswahl bei einem sehr breiten und interdisziplinären Angebot und dem eigenständigen Lernen. Viele gewöhnten sich schnell daran – und wollen es bald nicht mehr missen.

Foto: Privat

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Marta, you have decided to do your master’s thesis at KIT. What are the reasons for your choice?
Marta Maria Silva Barbas: I spent one semester in Lübeck, my home university has a cooperation with the university there. So I had some impressions of German universities. Also, a couple of friends from Lisboa told me that KIT is a good university. It was even more important that my professor in Lisboa, Mónica Oliveira, knew Professor Stefan Nickel from the Department of Economics and Management at KIT. He works in the field of clinical engineering, which I wanted my master’s thesis to focus on. In fact, they have published an article together. They discussed the idea and both said: Yes, it’s ok. So I applied in September.

What’s the topic of your master’s thesis?
Barbas: I want do develop a simulation model that helps to improve the emergency chain. Stefan Nickel suggested the topic. It includes a comparison between Portugal and Germany. I will do interviews with experts and analyze literature.

What is your motivation to go abroad?

Barbas:
It’s always some kind of an adventure. I like the new experience and getting to know people, you learn to see things from a different perspective. In Lübeck, the majority of my friends came from all the different corners of the world – I just met them again in March.  On the other hand, I’m used to new surroundings, because I had quite a few school changes, I also have travelled a lot. At my home university, it is normal to do an Erasmus exchange. And I like Germany, its language and its culture.

What were the main challenges for you when you arrived in Karlsruhe?
Barbas: Finding a house. I needed a place where I can work – first, I had a room in a residence hall, that didn’t do. Now I found a place at the Karl-Wilhelm-Platz, it was announced on a notice board.

Did you feel welcome?
Barbas: O-Phase helps a lot. You see a lot of offices and facilities, which are important, for example the City Hall. You also get to know many people. Sometimes it’s difficult to arrange everything because in some banks or city administration units you do not find anybody speaking English. KIT should talk to these institutions and propose to change this. Generally, you find less English speaking people in Karlsruhe than in the north of Germany.

What about your contacts among the students?
Barbas: I straight went to AK Erasmus, I knew the student group from Lisboa. There, I met a lot of very open-minded people. On the first day, I was invited to a party. You have a strong feeling of community, you do things together. That makes integration easy.

What would you give others as an advice?
Barbas: When you go abroad, you should think about what you want to do before you choose a city. Some cities are better places to work hard, in others you can have more parties. But anyway, each place has its charm. 

Foto: Manuel Blazer      

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Collage stephan
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Herr Stephan, was hat Sie motiviert ins Ausland zu gehen?
Pascal Stephan: Ich wollte es unbedingt vor dem Bachelor-Abschluss tun – damit ich während des Studiums insgesamt zweimal ins Ausland gehen kann. Es war dann zwar klar, dass ich den Bachelor nicht in sechs Semestern schaffe, aber was verliert man? Wenn mich jemand fragt, warum ich acht Semester gebraucht habe, kann ich ihm von meinen Erfahrungen im Ausland erzählen. Viele Kommilitonen sahen das auch so. Sie sagten: Mach es!

Wie hat das KIT sie unterstützt?
Stephan: Das lief gut, ich habe viele allgemeine Informationen bekommen. Viele wissen nicht, wie einfach es ist, ins Ausland zu gehen, dass sie keine Studiengebühren zahlen und zum Beispiel über Erasmus noch eine monatliche Förderung bekommen, dass sie einen Sprachkurs besuchen können. Mir fehlten Erfahrungsberichte von Bachelor-Studenten aus meinem Fach, die an der Hochschule in Skövde waren. Ich werde meinen auf jeden Fall veröffentlichen.  

Warum nach Schweden?
Stephan: Meine erste Wahl war Schottland, aber dann hat mir die KIT-Fakultät für Maschinenbau Skövde in Schweden vermittelt. Es liegt auf der Diagonalen von Göteborg nach Stockholm, zwischen den beiden größten Seen Schwedens. Die Hochschule hat knapp 10.000 Studierende, viele Kurse sind entspannt und angenehm klein. Die Stadt hat 40.000 Einwohner und die größte Produktionsstätte von Volvo. Es ist ein guter Ausganspunkt für Ausflüge, auch in den Norden Schwedens oder nach Oslo.

Warum haben Sie für ein Semester verlängert?
Stephan: Meine spanischen Kommilitonen haben mich motiviert. Es gibt spanische Universitäten, die eine Kooperation mit Skövde haben – ihre Studenten konnten einen Doppelabschluss erwerben. Das wollte ich auch. Die Erlaubnis, die Abschlussarbeit in Skövde zu schreiben, kam schnell – ich habe sie in englischer Sprache geschrieben, das hätte ich mich am KIT nicht getraut. In Karlsruhe stand kurz in Frage, ob das KIT meine Abschlussarbeit akzeptiert – aber das hat sich dann auch geklärt. Die größte Hürde war die Zusage, dass mir die Hochschule auch ein Zeugnis ausstellt – sie kam erst einen Tag vor meinem Weihnachtsurlaub. Ich musste kämpfen und meine Leistungen und Credits in Karlsruhe belegen. Ich habe mich wirklich als Pionier gefühlt. Die Erasmus-Gelder liefen zum Glück weiter, selbstverständlich ist das bei einer ungeplanten Verlängerung nicht.

Welche besonderen Herausforderungen gab es in Schweden?
Stephan: An meinem ersten Tag wäre ich am liebsten gleich wieder nach Hause gefahren. Ich bin mit dem Auto angereist und war ein paar Tage vor der Einführungswoche da. Das hatte ich zwar per Mail angekündigt, trotzdem traf ich kaum jemanden an, der mir hätte helfen können. Hätte ich nicht den Sohn des Hausmeisters getroffen, der mir den Schlüssel für ein Zimmer gab, hätte ich in der ersten Nacht im Auto schlafen müssen.

Was waren für Sie die bemerkenswertesten Eindrücke?
Stephan: Die Natur ist fantastisch – ich war oft laufen und joggen. Ich fand es toll, das Land kennenzulernen – die Kultur, die Sprache, das Essen. Der Norden war besonders beeindruckend – die Polarlichter werde ich nie vergessen. Und dann habe ich viele Freunde aus verschiedenen Ländern gewonnen – ein Holländer hat mich neulich in Karlsruhe besucht, ich bin zu einem Freund nach Istanbul gefahren, den ich in Skövde kennengelernt habe.

Haben Sie sich willkommen und integriert gefühlt?
Stephan: Ja, ich habe viel Unterstützung in Skövde erfahren. Auch bei der heiklen Frage nach dem Abschluss waren die Mitarbeiter der Hochschule immer hilfsbereit. Ich hatte in den Kursen gute Kontakte zu schwedischen Kommilitonen.

Sind Ihre Leistungen in Schweden am KIT anerkannt worden?
Stephan: Ja, ich habe mit einem Professor gesprochen und musste dann noch Überzeugungsarbeit leisten, da ich in manchen Kursen Assignments geschrieben habe, keine Klausuren. Ich konnte es von Schweden aus aber per E-Mail klären, leider nicht vorab.

Was nehmen Sie mit?
Stephan: Schweden hat mich zum Denken angeregt. Ich mache meinen Master in dem internationalen Studiengang ENTECH und studiere im September in Lissabon weiter. Ich habe gemerkt, dass ich mehr Internationalität will und etwas anderes als ein reines Maschinenbau-Masterstudium am KIT brauche. Und das Jahr hat meinen Glauben an Europa gestärkt: Bei der jetzigen Studierendengeneration funktioniert es. Erasmus bringt Erfahrungen, die uns prägen.

Collage stephan
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In Norwegen hat Franziska Schäfer Wale und das Nordlicht gesehen – und gelernt, sich zu entspannen. Über das Erasmus-Austauschprogramm bekam sie einen Platz in Tromsø. Klaus Rümmele hat mit ihr gesprochen.

Fotos: Franziska Schäfer




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Collage schaefer
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Der Studiengang Wissenschaft – Medien – Kommunikation am KIT ist jung. Franziska Schäfer gehörte zu den ersten Bachelor-Absolventinnen. Für den Master ist sie Fach und Ort treu geblieben. „Ich wollte aber auch noch etwas anderes sehen“, sagt sie. Neue Leute, ein neues Land kennenlernen. Sie landete im hohen Norden, in Tromsø. 75.000 Menschen leben in der Stadt, 12.000 sind Studentinnen und Studenten. Die Kooperation zwischen der Universitetet i Tromsø und dem KIT ist ein zartes Pflänzchen, das Kontingent an Plätzen nicht ausgeschöpft, das Formale eine Herausforderung. Aber mit großer Unterstützung des International Students Office kam sie an die Hochschule mit dem schönen Kosenamen: Norwegens arktische Universität.

Das Erlebnis einer faszinierenden Natur schwingt mit, wenn Franziska Schäfer erzählt. „Es war ein Abenteuer für mich“, auf dass sie sich nach guten Erfahrungen während eines Praktikums in Cambridge freudig einließ. Die Frage, welche Kurse in Tromsø am KIT anerkannt würden, war aufgrund des speziellen Profils des Studiengangs Wissenschaft – Medien – Kommunikation lange offen. Doch das konnte sie nicht abhalten: „Mir ging es nicht in erster Linie darum zu studieren.“

Sie unternahm Touren in die Wildnis außerhalb der Stadt, per Anhalter und zu Fuß. Oft fühlte sie sich „mitten im Nirgendwo“. Sie erkundete Fjorde, stieg auf Berge und fuhr Schlittschuh. Und merkte, wie sie „gechillter“ wurde. Dabei hatte nicht nur die Natur diese Wirkung auf sie, sondern auch die Menschen.
So sei es für die Studierenden selbstverständlich, den Blick über ihr Fach hinaus zu öffnen – für andere Disziplinen im breiten Spektrum der Universität, aber auch für kulturelle Angebote wie zum Beispiel Musikfestivals. In Deutschland, findet Franziska Schäfer, „wird das Studium doch sehr ernst genommen.“ Auch der Umgang zwischen Dozierenden und Studierenden sei lockerer: „Sie duzen sich. Und Kritik der Studierenden ist ganz normal.“

Der Einstieg in Tromsø fiel Franziska Schäfer leicht. „Die Organisation war toll“, erzählt sie, die Menschen empfingen sie sehr herzlich. Sie wurde vom Flughafen abgeholt und bekam einen Wohnheimplatz. Schnell fand sie auch Kontakt zu weiteren Austauschstudierenden, die meisten kamen wie sie aus Deutschland: „Wir haben viel zusammen unternommen.“ Die größte Herausforderung war das Geld: „Norwegen ist richtig teuer, gerade auch Tromsø.“

Nach diesen Erfahrungen steht für Franziska Schäfer fest: Sie will ihre Masterarbeit im Ausland schreiben. Sie bewirbt sich um einen Platz im Sommersemester 2018 – in Portugal. Sie wird englischsprachige Kurse besuchen, auch die Arbeit wird sie in englischer Sprache verfassen. Und doch besucht sie schon jetzt einen Sprachkurs in Portugiesisch. Denn Land und Leute will sie wieder genau kennenlernen.

Hier könnt ihr euch das Interview mit Franziska Schäfer anhören.

Collage schaefer
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Collage miclaus
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Mehr als 20 Jahre ist es her, dass Andrei Miclaus seinen Wissensdurst zum ersten Mal in Karlsruhe stillte – in der Grundschule. Als Erasmus-Student kam er wieder, heute promoviert er am KIT.

Mit seiner Mutter und seinem Bruder folgte Andrei in den 90ern seinem Vater, der an der damaligen Universität in Chemie promovierte. Andrei besuchte die erste Klasse der Gartenschule, nach einem Jahr kehrte die Familie wieder nach Cluj-Napoca in Rumänien zurück.

Aber Karlsruhe ließ ihn nicht mehr los – elf Jahre und viele gute Noten später absolvierte er mit einem Stipendium der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg die 12. Klasse des Heisenberg-Gymnasiums. Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt kam er für das letzte Jahr seines Bachelor-Studiums der Informatik wieder nach Karlsruhe, dieses Mal über das Erasmus-Programm ans KIT. Er musste einiges dafür tun, dass das klappte – einen Vertrag zwischen dem KIT und der Technischen Universität in Cluj gab es nicht, am Telefon überzeugte er selbst das International Students Office davon, es mit ihm zu probieren. Unterlagen gingen hin und her, in Cluj wie in Karlsruhe musste er viele Stellen abklappern, bis alles unter Dach und Fach war. Andrei fühlt sich als Pionier: „Heute geht es einfacher, bei meinem Bruder reichten zwei E-Mails.“

Andrei blieb zwei Semester, „da kriegt man mehr mit“. Er genoss die Freiheit, sich auch Veranstaltungen anzusehen, die nicht zu seinem Studienfach gehörten: „Du kannst im Modulhandbuch shoppen gehen“. Seine rumänische Heimatuniversität rechnete ihm viele seiner Leistungen in Karlsruhe an, auch manche, in denen er am KIT keine Not bekommen hatte: „Ich musste die Inhalte des Kurses erläutern, dann wurde es akzeptiert.“

Er legte die Bachelor-Prüfung in Cluj ab, beantragte anschließend eine Arbeitserlaubnis für Deutschland und bewarb sich um einen Master-Studienplatz am KIT. Im Januar 2012 begann er ein Praktikum in Karlsruhe, im April nahm er das Master-Studium auf. Nebenher arbeitete er als Werkstudent bei einer Karlsruher Internetfirma, bis er im zweiten Semester ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erhielt und einen Job als studentische Hilfskraft am KIT annahm. So finanzierte er sich sein Studium, das er 2015 abschloss. Während der Masterphase wählte er das Modul „Praxis der Forschung“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte sein Projekt als SoftwareCampus-Vorhaben, so konnte er eng mit der Industrie zusammenarbeiten: „Ich finde es bemerkenswert, dass einem das KIT solche Chancen bietet.“

Doch damit nicht genug – gegen Ende des Studiums hatte er einen Vortrag über das Internet der Dinge gehört und sein Thema für die Promotion gefunden: „Zu sehen, wie viel möglich ist, wie komplex die High-Tech-Entwicklung ist – und ich bin mittendrin.“ Dass der Umgang der Menschen in der Forschung angenehm ist, die Professorinnen und Professoren fair, das schätzt er. Auch Karlsruhe mag er, wenn ihm auch Technik und Naturwissenschaft in der Stadt manchmal fast zu dominant sind.

Studium und Forschung in Karlsruhe lassen ihn so gespannt wie gelassen in die Zukunft schauen: In einem hippen Unternehmen würde er gerne arbeiten – oder selbst eine Firma gründen. Neue webbasierte Technologien werden sein Thema bleiben – „im digitalen Wandel liegt die Zukunft Deutschlands.“ Und an dem Rad will er mitdrehen.

Fotos: Andrei Miclaus

Collage miclaus
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O phase 2017
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Der Arbeitskreis (AK) Erasmus hilft internationalen Studierenden bei der Ankunft in Karlsruhe und am KIT. Ein wichtiges Ereignis ist die O-Phase – Stephanie Rich, Denise Wussler und Florian Többen organisierten das Programm im März.

Wenn Studierende ins Ausland gehen wollen, fragen sie sich vor allem: Was haben andere erlebt? „80 Prozent der Outgoer, die in unsere Sprechstunde kommen, fragen nach Erfahrungsberichten“, erzählt Florian Többen vom AK Erasmus. Die Hochschulgruppe bietet auch Grillabende, Stammtische und International Dinners an, bei denen Incomer und Outgoer persönliche Eindrücke und praktische Tipps mitnehmen und weitergeben können.

Aus erster Hand können die Austauschstudierenden auch erfahren, was Karlsruhe ausmacht und wie sie Einheimische kennenlernen können: im Buddy-Programm, das der AK Erasmus anbietet. Die Hochschulgruppe bringt jeweils einen deutschen Studenten oder eine deutsche Studentin mit einem Incomer zusammen, die sich selbstständig verabreden und zusammen etwas unternehmen. Florian Többen hat seinen Buddy in den ersten beiden Wochen schon dreimal gesehen – „so gut klappt es jedoch nicht immer“.

Florian Többen, der selbst in Island war, gehört zu den rund 30 Aktiven im AK Erasmus. Sie organisieren Ausflüge, zum Beispiel zum Cannstatter Wasen, und laden zu Cultural Fridays ein. Über Facebook halten sie die Austauschstudierenden auf dem Laufenden. Während der internationalen O-Phase bündelt die Hochschulgruppe, die dabei mit dem International Students Office (IStO) am KIT zusammenarbeitet, alle Kräfte: Im März kamen 170 Studierende aus der ganzen Welt, um sich in der Stadt und den Hochschulen einzufinden. „Ich habe 14 Tage wenig geschlafen“, sagt Többen.

Im Dezember begannen er, Stephanie Rich und Denise Wussler mit der Organisation. Im Januar trafen sie sich mit den Tutorinnen und Tutoren – ebenfalls Mitglieder im AK oder erfahrene Outgoer. Die Tutoren lernten sich kennen und erfuhren, worauf sie achten müssen – welche Infos über Karlsruhe und Deutschland wichtig sind, aber auch auf welche kulturellen Unterschiede sie achten müssen: „In China gehen die Studenten nicht so häufig feiern oder auf eine Party wie die deutschen Studenten“, sagt Denise Wussler, die selbst in dem Land studiert hat.

Der Großteil der etwa 70 Tutorinnen und Tutoren „hat sehr viel Zeit investiert“, sagt Denise Wussler. Eine Hälfte betreut die Neuangekommenen in Gruppen, auf 20 neue Studierende kommen etwa fünf Tutoren. Tagsüber gehen sie mit den internationalen Studierenden zu wichtigen Stationen auf dem Campus – die Bibliothek, die Mensa – und in der Stadt – Schloss, Museen und Kneipen. Sie unterstützen sie bei der Einschreibung und bei der Eröffnung eines Bankkontos. Dabei sind sie zur Stelle, wenn es Probleme gibt – so half ein Tutor einem amerikanischen Studenten bei der Registrierung im Rathaus, dessen Visum abgelaufen war. Die andere Hälfte der Tutorinnen und Tutoren organisiert Events. Und davon gibt es eine ganze Menge: Partys, Spiel- und Spaß-Turniere, ein echtes bayrisches Weißbier-Frühstück, zünftig mit Blasmusik, Dirndl und Lederhose.

Nicht alle Studierenden waren das ganze Programm über dabei, manche pickten sich nur das eine oder andere heraus. Wichtig ist, findet Florian Többen, dass die Studierenden die Möglichkeit nutzen, andere kennenzulernen: „Wer das verpasst, fühlt sich allein.“

Wenn es die Dankbarkeit der neuen Studierenden spürt, weiß das Team im AK Erasmus, dass sich die Anstrengung gelohnt hat. „Es ist auch toll zu sehen, wie man sich gegenseitig hilft“, erzählt Denise Wussler. Während der O-Phase entstünden viele Freundschaften – „ich habe jetzt noch Kontakt zu Studierenden aus meinen Gruppen der vergangenen Jahre“, sagt Florian Többen. Das gemeinsame Erlebnis, findet Denise Wussler, „schweißt zusammen“.

Fotos: AK ERASMUS

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