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Epilepsie: Gewitter im Kopf

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"Epilepsie? Was ist das?"
Krampfen, Speichelfluss und ein Mensch, der sich unter Todesqualen am Boden windet?
Dieses Bild wird oft reflektiert, wenn man sich mit Mitmenschen über Epilepsie unterhält.

Aber wie viel Wissen besteht tatsächlich?
Ist das Bild so einseitig?

Eine kleine Umfrage soll die Wahrnehmung von Epilepsie in der Gesellschaft abbilden.. 


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Epilepsie ist keine:
- Seltene Krankheit
- Erbkrankheit
- Geisteskrankheit
- Krankheit mit Intelligenzverlust
- Unheilbare Krankheit
- Krankheit mit Todesfolge
- Behinderung

Epilepsie ist eine:
- häufige Krankheit
- chronische Krankheit
- organische Krankheit (nicht psychisch)
- therapiebare Krankheit (behandlungsfähig) und häufig ausheilbar
- Belastung aufgrund der Vorurteile in der Gesellschaft

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Ich möchte diese Seite all den Menschen widmen, die in glänzender Rüstung für uns Patienten kämpfen.
All den Händehaltern, den Verständnisvollen, den Behandelnden und Rettenden, den Helden des Alltags, den Sanitätern und Krankenschwestern.
All den Menschen, die uns jeden Tag ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern und die Welt so ein kleines bisschen besser machen.
All den Müttern und Vätern, die manchmal ganz grau werden vor Sorge. Den Geschwistern, die so oft zurückstecken müssen und trotzdem so stark für uns sind.
Aber vor allem möchte diese Seite den großen und kleinen Kämpfern widmen. Die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren ist ein Gefühl, welches man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünscht.
Und doch haltet ihr durch, jeden Tag.
Ich wünsche Euch alle Kraft und alles Licht dieser Welt für all die schönen und schweren Zeiten.
Gewitter ziehen weiter!


Diese Seite ist Teil der Bachelorarbeit von Linda Christ (KulturMediaTechnologie)

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Epileptische Anfälle laufen nie nach einem einheitlichen
Muster ab.
Ein Anfall kann nur einen kleinen Teil des Hirns betreffen, mehrere Teile oder das gesamte Gehirn.
Die Symptome richten sich nach der betroffenen Region
im Gehirn.

Ein Anfall kann aus einem Schrei bestehen,
dem krampfenden, am Boden liegenden Körper oder einzelnen zuckenden Muskelpartien.
Doch ein Anfall kann genauso gut nur wenige Augenblicke dauern, ohne dass ein Außenstehender etwas bemerken würde.

Eine Krankheit mit 1000 Facetten.


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Fokale epileptische Anfälle gehen von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und betreffen nur eine Hirnhälfte.
Anhand der Symptome des Anfalls kann der Arzt häufig Rückschlüsse auf den Herd eines Anfalls im Gehirn ziehen. Ursachen sind meist Fehlbildungen des Hirns, erworbene Hirnschädigungen oder Tumore.
Man unterscheidet zwischen:

Einfach Fokal
- Betroffener erinnert sich an den Anfall
- dauert meist nur wenige Sekunden
- Betroffener bleibt bei Bewusstsein
- Bewegungsabläufe, Körperempfindung, Wahrnehmung, das Nervensystem oder die Psyche des Betroffenen sind beeinflusst

Komplex Fokal
(=mehrere separierte Ursprungsherde im Gehirn)
- Bewusstsein ist in großem Maße gestört (keine Erinnerung)
- dauert in der Regel zwischen einer halben und zwei Minuten
- Körper des Betroffenen spult bestimmte Bewegungsabläufe und Verhaltensweisen ab (Schmatzen, stereotype Handbewegungen, Herumlaufen, An- oder Ausziehen, die Wiederholung eines Satzes)

Grafik: Created by Harryarts - Freepik.com








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Im Gegensatz zu fokalen, sind generalisierte Anfälle nicht auf eine bestimmte Hirnregion beschränkt.
Es sind beide Hirnhälften betroffen.
Man unterscheidet zwischen:

Primär generalisiert / Tonisch-Klonisch
- meist genetisch bedingt
- dauert zwischen einer halben und zwei Minuten
- keine Erinnerung und Bewusstseinsstörungen
- Körper versteift sich 
- Krampfen in Armen, Beinen und Gesicht
- Verdrehte Augen, Einnässen, starker Speichelfluss, Schaumbildung
- Nachschlafphase schließt den Anfall ab, Atmung setzt wieder ein 
- starke Erschöpfung, Kopfschmerzen, Muskelkater können Folgen sein

Sekundär generalisiert
- Unterscheiden sich von Primär generalisierten Anfällen durch das Auftreten einer Aura, (fokaler Anfall) bevor der tonisch-klonische Anfall beginnt

Grafik: Created by Harryarts - Freepik.com

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Absencen (franz. Abwesenheiten) oder "Petit Mal" sind
"kleine" epileptische Anfälle und werden als 
idiopathisch-generalisiert bezeichnet.
Sie dauern meist zwischen 10 und 30 Sekunden
und der Betroffene erinnert sich im Normalfall
nicht an den Zeitraum des Anfalls (Amnesie).
Die Anfälle können mehrmals am Tag auftreten und haben meist nur leichte Nachwirkungen, wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit.

Einem Außenstehenden würde diese Art des Anfalls
kaum auffallen. Der Betroffene unterbricht seine Aktivität nur kurz und scheint den Blick
auf einen Gegenstand zu fixieren.
Danach geht er ohne Unterbrechung wieder in seine Aktivität über.

Während des Anfalls zeigen die Betroffenen
verschiedenste körperliche Symptome:

- Nestelnde / reibende Bewegungen an den H#nden
- Verdrehen der Augen
- Blinzeln
- Lidflattern
- Leichte Muskelzuckungen
- Lippen- oder Kaubewegungen

Grafik: Created by Harryarts - Freepik.com




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Myoklonische Anfälle sind eine kurze und unvermittelt auftretende, schockartige Muskelzuckung.
Ein "Myoklonus" dauert nur Bruchteile von
 Sekunden und betrifft, meist symmetrisch, beide Körperhälften.
Das Bewusstsein bleibt erhalten und begonnene 
Tätigkeiten können sofort wieder
aufgenommen werden.
Für den Betroffenen fühlt sich ein solcher Anfall wie ein elektrischer Schlag, der auch zum Sturz führen kann.
Leicht ausgeprägt kann ein solcher Schlag aus einem einfachen Nicken bestehen.
Myoklonische Zuckungen können einzeln, aber auch in Serie auftreten, also mehrmals in wenigen Minuten.

Abzugrenzen sind die nichtepileptischen Myoklonien, wie sogenannte "Einschlafzuckungen". Diesen liegt kein epileptisches Krankheitsbild zu Grunde und können auch durch äußere Reize (Berührung/ Licht / Geräusche) ausgelöst werden.

Grafik: Created by Harryarts - Freepik.com

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Ein Anfall, der nicht ohne weiteres in die bereits genannten Kategorien einzuordnen ist, wird als "nicht klassifiziert" bezeichnet.
Zumindest bis eine genauere Diagnose gestellt werden kann.

Nicht klassifiziert sind beispielsweise:

- Schwere myoklonische Anfälle
- Epileptische Aphasien (Sprachstörungen)
- Schlaf-Grand-Mal-Anfälle
(Anfall, der ausschließlich aus dem Schlaf beginnt)

Grafik: Created by Harryarts - Freepik.com

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Statistik der Vereinigung für Epilepsie, 2017

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Kaum eine andere Krankheit hat im Verlauf der Geschichte so viele Namen erhalten wie die Epilepsie.
Das lässt den Schluss zu, dass sich Menschen zu allen Zeiten ausführlich mit dieser Krankheit befasst haben.

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Sie leiden an einer Epilepsie und wissen nicht, wie Sie damit umgehen sollen?

Ein Angehöriger hat grade die Diagnose Epilepsie erhalten und Sie wissen nicht, wie Sie helfen können?

Hilfe und Betreuung finden Sie überall in Deutschland, auch in Ihrer Nähe.




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Leonardo DaVinci
Ernest Hemingway
Elton John
Michelangelo
Nicolo Paganini 
Vincent Van Gogh
Neil Young
Alexander der Große
Julius Caesar
Napoleon 
Alfred Nobel
Sir Isaac Newton
Prince
Robert Schumann

Dass sich unter den "prominenten Epilepsiekranken" keine Frauen finden, liegt nicht daran, dass die Epilepsie bei Frauen seltener vorkommt als bei Männern, sondern an den gesellschaftlichen Verhältnissen. Frauen hatten es in früheren Jahrhunderten schwerer, "prominent" zu werden als die Männer.



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Ein Leben mit Aussetzern - Diagnose Epilepsie.

Wie soll man diese schwierige Situation nun meistern?
Wie geht es weiter?
Wie funktioniert das Leben jetzt?

Fragen, die am Anfang große Löcher in das Selbstwertgefühl eines Patienten brennen können.

Ist es also möglich die Epilepsie von der Hauptrolle zur Nebenrolle des Lebens zu versetzen?

In den meisten Fällen lautet die Antwort: ja
Man lernt das Leben neu zu schätzen und Situationen neu anzugehen.

Gewitter ziehen weiter.

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    Ein ganz normaler Dienstag. Ein Tag wieder jeder andere auch. Frühstücken, der Weg zur Uni, Gespräche mit Kommilitonen und Dozenten, einige Mails und Erledigungen.
    Zeit zum Mittagessen, raus aus der Uni und überlegen mit welcher Straßenbahn ich nun schnellstens in meiner Wohnung ankomme.
    Cut.  
    Laut Krankenbericht komme ich um 14:15 wieder zu mir, auf dem Boden einer Hotellobby.  
    Wo zur Hölle bin ich? Und wie bin ich hier hingekommen? Keine Ahnung, alles ist weg. Ich sehe viele Füße um mich herum. Meine Ohren sind wie in Watte gepackt und ich verstehe nicht was die Menschen um mich herum sagen.
    Ein wahnsinniger Schmerz in meinem Kopf und in meinen Beinen sagt mir, dass irgendetwas nicht stimmt.
    Ganz bekomme ich die Augen nicht auf, es ist zu hell.
    Jemand ruft meinen Namen, mehrmals. Warum verstehe ich nicht ganz. Alles ist plötzlich laut und wuselig. Dann überkommt mich eine Welle des Schmerzes im ganzen Körper. Alles wird zu viel, zu laut, zu hell, mein Körper gibt auf, ich drifte ab und alles wird wieder dunkel. Dann ein Druck an meinem Brustbein, der mich wieder zurückholt. Zurück auf den Steinboden.
    Jemand hebt mich hoch und legt mich wieder ab, jetzt ist weicher. Ganz sortieren kann ich meine Gedanken noch nicht. Was ist passiert und wem gehören die Füße, die um mich herumstehen? Die Welt ist nach rechts gekippt.
    Mein Kopf dröhnt. Immer wieder wird mein Name genannt. Bitte lasst mich doch schlafen, lasst mich dämmern und liegen. Mein Körper schmerzt, mir ist abwechselnd heiß und kalt, mir ist schlecht und ich bin so müde.
    Jemand rüttelt an mir, versucht mich aus dem schützenden Dämmerschlaf zu reißen, zwingt mich zu reagieren.
    Ich versuche vorsichtig meine Augen zu öffnen, nicht gewappnet für die Welt. Über mir zwei Männer, die ich nicht kenne. Ihre Gesichter sind unscharf und nah an mir dran.
    Sie tragen grelles gelb und rot, das nehme ich wahr. Mein Verstand kommt langsam zurück. Sie fragen, ob ich meinen Namen weiß. Lena heiße ich. Ich versuche mich zusammenzureißen und ihn zu sagen, meinen Namen.
    Zwei Silben, gar nicht schwer, mache ich mir Mut.
    „e-a“, ist alles, was ich herausbekomme.
    Das muss genügen, denn für mehr reicht meine Kraft noch nicht.
    Langsam bekommt die Welt um mich herum wieder Kontur. Ich versuche die beiden rotgelben Riesen zu ignorieren und mich im Raum zu orientieren. Also nochmal.
    Wo bin ich und wie komme ich hier her?
    Ich kenne diesen Raum, ich kenne das Muster der Tapeten an den Wänden und ich kenne den Geruch. Es ist das Hotel in dem ich arbeite, nach rechts gekippt. Und ich erkenne die Schuhe des Hoteldirektors, nicht weit von meinem Kopf entfernt. Mahagonibraun mit Budapestermuster.
    Eine Gewissheit macht sich langsam in meinem Kopf breit.
    Es ist wieder passiert. Ich erkenne den Schmerz wieder. Ich erkenne die Position meiner Knie an meinem Bauch wieder.
    Ich liege zusammengerollt auf der Seite, so tut es weniger weh. Jetzt kommen die beiden Riesen zurück in meinen Verstand. Ich soll etwas mit meinem Arm machen, ihn ausstrecken.  Ich versuche es und sie helfen mir, freundliche Riesen.
    Sie fragen mich, ob mir etwas weh tut. „Ja.“
    Sie fragen ob ich weiß wo ich bin. „Ja.“
    Sie sagen „Es piekst jetzt kurz“. Es piekst in meinem Arm.
    Aha, die obligatorische Nadel. Auch das kenne ich.
    Sie möchten, dass ich mich aufsetze. Aber alles dreht sich jetzt und das schaff ich nicht alleine. Ich sammle mich ein bisschen und frage was passiert ist.
     „Sie hatten einen Anfall“.
    Ok, also liege ich richtig. Verdammte Scheiße.
    Ich bin jetzt in der Lage meinen Körper ein wenig zu bewegen und versuche zu erspüren wie sehr ich mich schämen muss. Habe ich eingenässt? Nein, gut. Habe ich gesabbert? Ein bisschen, das ist ok.
    Mein Kopf tut weh, mein Rücken auch“, antworte ich auf weitere Fragen nach meinem Befinden.
    Sie tasten mich ab und versuchen zu beurteilen, ob und wie sehr ich mich verletzt habe.
    Nichts gebrochen“, sagt einer der Riesen. Glück gehabt.
    Ein dritter Riese streckt seinen Kopf in mein Sichtfeld und stellt sich als Notarzt Doktor Soundso vor.
    Wir bringen Sie jetzt vorsichtshalber in die Klinik um Sie genauer zu untersuchen, ok?
    Ich brumme. Als hätte ich eine Wahl. Die Dämmerung drängt sich zurück in meinen Kopf und ich kann mich nicht mehr konzentrieren.
    Der Boden bewegt sich plötzlich nach oben und die Riesen, einer an meinen Füßen, einer an meinem Kopf, rollen die Trage auf die sie mich wohl gelegt haben, raus aus der Hotellobby. Raus aus dieser merkwürdigen Situation, weg von all den Füßen.
    Das war mein 17. Epileptischer Anfall. Ich bin 25 Jahre alt und Ich hatte riesiges Glück. Mein Unterbewusstsein hat mich zu meinem Arbeitsplatz laufen lassen, denn hier wissen die Leute was mit mir los ist und wie sie reagieren müssen. Ich bin einem Kollegen direkt in die Arme gefallen.
    Es hätte auch anders kommen können.
    Meine Breakdance-Attacken haben mich schon an den verschiedensten Orten erwischt.
    Vor der Haustür, während der Vorlesung, als Beifahrer im Auto, in Omas Wohnzimmer, im Flur meiner WG und jetzt an meinem Arbeitsplatz.
    Meist Orte oder Situationen in denen ich mich wohl sicher gefühlt habe und mein Körper den großen Reset-Knopf drücken konnte.  
    Ein Anfall ist immer ein Schock.
    Ein paar Tage lang muss ich sehr nett zu mir und meinem Körper sein und brauche viel Ruhe und Schlaf.
    Es ist immer gleich.
    Ich komme zu mir, es tut weh, ich werde ins Krankenhaus gebracht, ich werde untersucht, ich schlafe.
    Doch der Schmerz vergeht und der Schock auch. Die Erde dreht sich weiter und der Alltag kehrt wieder ein.
    Mit jedem Mal werde ich stärker. Ich habe gelernt diese Anfälle zu verarbeiten, physisch und mental, mich jedes Mal neu zu justieren. Hinfallen und aufstehen.
    So ist das Leben, ob mit oder ohne Epilepsie.  

    Autor: Anonym
    Die Namen wurden von der Redaktion geändert.  

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    Eine Epilepsie kann viele verschiedene Ursachen und Ausprägungen haben.

    Grundsätzlich entsteht ein epileptischer Anfall durch eine Störung im Gehirn.
    Das Hirn ist die Schaltzentrale des menschlichen Körpers und regelt alle wichtigen Informationen und Impulse. Das Hirn besteht aus Nervengewebe, gebildet aus miteinander vernetzten Nervenzellen.
    Die Aufgabe dieser Zellen ist es, Informationen aufzunehmen, in elektronische Signale umzuwandeln und diese an ihren jeweiligen Bestimmungsort zu transportieren.
    Dort lösen sie Gedanken, Gefühle und Handlungen aus.
    Bei einem Anfall  entlädt sich die Nervenzelle 6 mal öfter als normalerweise und ergibt im Zellenverbund eine Art Gewitter im Gehirn.
    Nun kommt es darauf an, in welchem Teil des Hirns diese Art der Entladung passiert. Sind die Zellen beispielsweise für die Wachheit verantwortlich, wird eine Bewusstlosigkeit eintreten (oder "Seh-Zellen" für Sehstörungen). Das Gehirn fungiert also als Landkarte für Anfälle.



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    Eine Epilepsie kann diverse Ursachen haben.
    Jede Nervenzelle kann in Ihrer Funktion gestört sein und epileptisch werden, damit verfügt jeder mensch über eine eigene Bereitschaft für Anfälle.
    Nur bei ungefähr der Hälfte aller Anfälle ist die Ursache bekannt.
    Ursachen können sein:

    - erworbene Hirnschädigung (Unfall/ Gerinsel/ Tumor)
    - Genetische Veranlagung 
    - Provozierende Faktoren wie Schlafmangel, Stress, Lichtblitze / Flackerlicht, hormonelle Schwankungen
    - Entzugserscheinungen (Alkohol/ Drogen)
    - Vorgeburtliche Schädigungen 
    - Fieberkrämpfe bei Kleinkindern
    - Schlaganfall
    - Hirnhautentzündung
    - Alzheimer

    Selbst bei medikamentös gut eingestellten Patienten, können diese äußerlichen Faktoren zu Anfällen führen. Sie sollten daher für einen regelmäßigen Lebensrhytmus sorgen.


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    Zur Zeit des 3. Reiches wurde die "Fallkrankheit" als Erbkrankheit angesehen.
    Zu den menschenverachtenden Vorgehensweisen der Nationalsozialisten im Dritten Reich gehörten "rassenhygienische Maßnahmen",
    zu denen auch das
    "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses"
     zählte und im Juli 1933 von der Reichsregierung beschlossen wurde.

    Die Opfer dieser Maßnahmen  sind kaum zählbar, doch man geht davon aus, dass 350.000 Menschen zwangssterilisiert wurden, 6600 Menschen an den Folgen starben und weitere 300.000 in anderen Teilen des "Euthanasie-Programmes" ihr Leben verloren.


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    Zur Diagnose der Epilepsie ist eine Reihe von Untersuchungen durch einen Facharzt für Neurologie nötig.
    Für die spätere Therapie ist es wichtig herauszufinden, welche Anfallsart vorliegt.

    Das wichtigste Untersuchungsinstrument ist die Anamnese (altgriechisch für Erinnerung),
    also die Krankengeschichte.
    Sie besteht aus dem professionellen Erfragen von medizinisch relevanten Informationen durch einen Arzt.
    Dabei antwortet der Patient selbst oder eine dritte Person.

    Da sich der Anfallskranke selbst oft nicht erinnern kann, 
    was genau passiert ist, sind die Angaben der Bezugspersonen
    (Eltern, Partner, Freunde...) sehr hilfreich und wichtig.

    Ein guter Neurologe / Epileptologe kann anhand der beschrieben Symptome einschätzen, wo die epileptischen Zellen im Gehirn liegen. 

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    Die Elektroenzephalographie (EEG)
    ist eine Methode der medizinischen Diagnostik. 
    Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns an der Kopfoberfläche. Die Gehirnströme werden abgeleitet und grafisch aufgezeichnet.
    12 Elektroden werden auf der Kopfhaut platziert, welche die Hirnstromwellen erfassen können.
    Aus den grafischen Mustern der Kurven können Krankheiten wie Epilepsie geschlossen werden.
    Je stärker der Ausschlag, desto höher die Aktivität.


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    Die Computertomographie (CT) ist eine weitere Methode, um Epilepsie zu untersuchen.
    Es misst die Dichteunterschiede des Hirngewebes mit Hilfe von Röntgenstrahlen.
    Die unterschiedlichen Dichten der Gewebeschichten werden von einem Computer berechnet und zu digitalen Bildern zusammengestellt.
    Gewebe mit geringer Dichte erscheint schwarz (z.B. Löcher), Gewebe mit hoher Dichte erscheint weiß (z.B. Knochen).
    So können Fehlbildungen im Gehirn sichtbar gemacht werden (Tumore/ Hirnblutungen).

    Das CT ist keine ganz ungefährliche Untersuchung für den Körper, da er Röntgenstrahlungen ausgesetzt ist. 
    Strahlung kann zu Veränderungen im Erbgut oder Tumoren führen - also strikt verboten für schwangere Frauen.
    Es wird also abgewogen. Entweder eine therapiebedürftige Krankheit nicht erkennen oder die Risiken des CT in Kauf nehmen.

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    Bringt die medikamentöse Behandlung nicht den gewünschten Erfolg, ist in manchen Fällen ein operativer Eingriff möglich.

    Leider funktioniert diese Vorgehensweise nur bei einem kleinen Teil der Erkrankten.
    Die Epilepsieherde im Hirn müssen sich in einem möglichst kleinen Bereich befinden, der genau definiert und entfernt werden kann.
    Dabei dürfen keine wichtigen Funktionen des Gehirns zerstört werden. 

    Sind alle Bedingungen erfüllt und die OP möglich, kann die Entscheidung zu einer Operation den Verlauf des Lebens des Epilepsiepatienten enorm verbessern.
    Die komplette Heilung ist leider nicht immer möglich. 

    Verschiedene OP-Verfahren sind:
    - Resektive Verfahren (Hirnregion wird entfernt)
    - Nicht resektive Verfahren (Durchtrennen von Hirnregionen)
    - Tiefe Hirnstimulation (Implantierte Elektroden im Hirn stimulieren den betroffenen Bereich)



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    So bezeichnet man begleitende Behandlungsarten, abseits der Schulmedizin.

    Dazu zählen:
    - Akkupressur
    - Akkupunktur 
    - Aromatherapie
    - Bioresonanz
    - Magnetismus
    - Osteopathie

    Einen konkreten Nachweis über die Wirksamkeit dieser Methoden gibt es bisher nicht.

    Allerdings kann man sagen, dass eine gesunde Ernährung, Sport und ein guter Schlafrhythmus sich positiv auf die Anfallshäufigkeit auswirken.

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    Die pharmazeutische Therapie ist nach wie vor ein Grundanker der Epilepsiebehandlung.
    Bei einer optimalen Einstellung erreichen 70 % der Betroffenen die Anfallsfreiheit.

    Arzt und Patient müssen sich über eine Methode einig sein und eine ausgewogene Nutzen-Risiko-Bewertung finden. Dabei sollten berufliche und soziale Situationen berücksichtigt werden.

    Sind Patient und Neurologe sich einig über das Therapieziel und die eventuellen Nebenwirkungen, wird die Behandlung mit einem Medikament begonnen.
    Es wird so lange vorsichtig aufdosiert bis entweder keine Anfälle mehr vorkommen oder es zu Nebenwirkungen kommt.
    Ist die Behandlung mit einem Medikament nicht erfolgreich, wird eine Kombinationstherapie begonnen. Mindestens zwei verschiedene Medikamente werden dem Patienten parallel verabreicht.
    Bringt das nicht den gewünschten Erfolg, kann ein anderes Präparat angewendet werden.


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    Die Berufsauswahl ist eine wichtige Entscheidung im Leben, welche mit den eigenen Fähigkeiten und Wünschen abgeglichen werden muss.
    Erst im zweiten Schritt sollte man in Betracht ziehen, ob die Berufswahl mit der Epilepsie vereinbar ist.
    Jeder Epilepsieverlauf ist anders (in Art und Häufigkeit).
    Man sollte sich einen Beruf aussuchen, der in der Anfallssituation kein erhöhtes Risiko darstellt.

    Patienten sind nicht berufseingeschränkt, wenn:
    - 2 Jahre anfallsfrei (unter Medikation)
    - nach chirurgischem Eingriff 1 Jahr anfallsfrei
    - 3 Jahre nur Anfälle aus dem Schlaf heraus
    - während dem Anfall keine Bewusstseinsstörung

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    Ist ein Epileptiker fahrtauglich oder nicht?
    Das entscheidet sich nach dem Krankheitsverlauf.

    Ein Fahrzeug führen darf, wer:
    - 1 Jahr anfallsfrei ist und keine Nebenwirkungen hat
    - 3 Jahre lang Anfälle ausschließlich aus dem Schlaf heraus bekommt
    - nach einem einmaligen Anfall 6 Monate anfallsfrei ist
    - 1 Jahr nach einem chirurgischen Eingriff keine Funktionsstörungen mehr aufweist

    Letztendlich muss mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, inwiefern eine Fahrtauglichkeit besteht.





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    Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind Epilepsien keine Erbkrankheiten.
    Nur 3-5 % der Kinder von Epileptikern entwickeln selbst eine Epilepsie.
    Daher gibt es in der Regel keinen Grund, warum epilepsiekranke Frauen keine Kinder bekommen sollten.
    Eine Schwangerschaft sollte geplant werden und unter ärztlicher Aufsicht ablaufen.
    Kontinuierliche Stoffwechselveränderungen im Körper der Schwangeren können den Medikamentenspiegel absenken.

    Ein Grundproblem ist, dass Antiepileptika Fruchtbarkeit und Libido bei Männern und Frauen senken können. Das macht die Familienplanung in vielen Fällen schwierig.



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    Ernährung
    - ausgewogene Ernährung hilft körperliche Balance zu halten und lindert Stress
    - frische Lebensmittel sind wichtig, um Lebensmittelvergiftungen (Durchfall / Erbrechen) zu vermeiden (Medikament könnte nicht richtig aufgenommen werden & Anfallsgefahr steigt)
    - keine bestimmten Lebensmittel verboten

    Ketogene Diät
    - schon in der Antike zu Behandlung verwendet
    - besteht aus wenigen Kohlenhydraten und sehr viel Fett
    - antiepileptische Wirkung nicht vollends bestätigt

    Alkohol
    - schwierig einzuschätzen / muss jeder selbst entscheiden
    - Patienten in medikamentöser Behandlung reagieren empfindlich auf Alkohol
    - sedative Wirkung kann Medikament schwächen, daher gefährlich
    - Alkohol kann Anfälle begünstigen (je nach Maß)












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    Verabreichen von Notfallmedikamenten
    - grundsätzlich für Außenstehende nicht erlaubt (außer mit schriftlicher Genehmigung des Patienten)

    Arbeitsschutz
    - Arbeitgeber darf niemanden beschäftigen, der körperlich nicht für die Arbeit geeignet ist
    - Betriebsärzte dürfen keine Diagnosen oder Medikationen weitergeben, nur Empfehlung an den Arbeitgeber aussprechen
    - Patienten sind ebenso verpflichtet, erhebliche Gefahren für die allgemeine Sicherheit auszuschließen.
    Das heißt, wenn die vorgesehene Tätigkeit gesundheitlich nicht tragbar ist, muss er dem Arbeitgeber dies mitteilen 

    Kündigung aus einem Arbeitsverhältnis
    - Kurzfehlzeiten treten häufig auf (immer kürzer als 6 Wochen, aber mehr als 6 Wochen im Jahr)
    - Der Beschäftigte ist auf unbeschränkten Zeitraum arbeitsunfähig (nach 24 Montaten kündbar)
    - Der Beschäftigte ist leistungsgemindert, bsp. langsamer als Kollegen (Gesundheitsprognose entscheidend) Arbeitgeber kann in diesem Fall einen Minderungsausgleich beantragen.

    Neuauftritt einer Epilepsie bei bestehendem Arbeitsverhältnis
    - Ein Betroffener Arbeitnehmer darf aufgrund der Krankheit nicht gekündigt werden, außer es besteht Gefahr für Kollegen oder das Wesen der Arbeit
    (Ausnahme Pflegeberufe oder Transportwesen: Patienten wären nicht mehr mit 100 prozentiger Sicherheit betreut / Fahrzeugführung verboten)

    Wann muss eine Epilepsie dem Arbeitgeber mitgeteilt werden?
    - Das Krankheitsbild macht die vorgesehene Arbeit unmöglich
    - Sicherheit nicht mehr erfüllbar
    - Vorgesehendes Beamtenverhältnis, wenn ein Schwerbehindertenausweis besteht (Fall wird gesondert geprüft)

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    Einige Formen der Epilepsie sind sehr schwierig zu diagnostizieren und zu lokalisieren.
    Oftmals ist die ambulante Behandlung durch den ansässigen Neurologen nicht ausreichend für einen Epilepsiekranken.
    Die notwendigen Geräte zur Untersuchung sind nicht in jeder Praxis vorhanden. 

    Die optimale Behandlung kann nur erfolgen, wenn die Art der Epilepsie bekannt ist.
     Um diese zu klären, begeben sich viele Patienten in ein Epilepsiezentrum.

    Zurzeit gibt es in Deutschland 38 zertifizierte Epilepsiezentren.
    Die 6 größten Zentren befinden sich in den angezeigten Städten.

    (Beispiel Kehl / Kork auf den nächsten Seiten)



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    1892 
    Das Epilepsiezentrum Kork wurde als "Heil- und Pflegeanstalt für epileptische Kinder" gegründet.
    Zu Anfang stand der Pflegeaspekt im Vordergrund, da die medikamentösen Möglichkeiten eingeschränkt waren.

    1967-76
    Die Ambulanz und Klinik für epilepsiekranke Kinder und Jugendliche wurde aufgebaut. Wenig später folgte die Klinik für Erwachsene.

    2010
    Die Klinik steht unter der Leitung von
    Prof. Dr. Bernhard Steinhoff
    und hat sich international zu einer renommierten Einrichtung für schwierige Formen der Epilepsie entwickelt.

    Sie besteht aktuell aus der Klinik für epileptische Kinder, der Klinik für epileptische Erwachsene und der Séguin-Klinik für Menschen mit schwerer geistiger Behinderung.






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    Bei der Reiseplanung sind einige Dinge für den Epileptiker zu beachten:

    - Urlaubsorte sollten die gleichen Risiken bergen wie das Zuhause
    - Übermäßig große Hitze kann sich als nachteilig erweisen
    - Im Hotelzimmer sollte eine Dusche installiert sein (Gefahr des Ertrinkens in der Badewanne)
    - Klassenfahrten bei Kindern dürfen nur mit unterwiesenen Betreuern stattfinden
    - Auf Qualität von Essen und Trinken achten (Lebensmittelvergiftungen sind gefährlich für den Medikamentenspiegel)
    - Je nach Krankenversicherung sollte eine Auslandszusatzversicherung abgeschlossen werden
    - Vorsichtshalber eine Reiserücktrittsversicherung abschließen
    - Bestimmte Impfungen wie Malariaprophylaxe sollten mit dem Facharzt auf Grund von Wechselwirkungen abgesprochen werden
    - Trotz Reisestress auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten und Medikamenteneinnahme einhalten


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    Sport verbessert die Fitness und wirkt sich positiv auf das Selbstwertgefühl und die soziale Kompetenz aus. Oft besteht die Angst, dass schweres Atmen und die Anstrengung Anfälle auslösen könnte. Dies ist glücklicherweise nicht der Fall.

    Trotzdem vermeiden sollte man:
    - Unterzucker
    - Überhitzung
    - Flüssigkeitsmangel
    - Lichteinwirkung

    Sportarten, welche der Patient unterlassen sollte sind:
    - Boxen
    - Motorsport / Fahrradsport
    - Tauchen
    - Alpinskifahren
    - Trampolin springen
    - Klettern / Bergsteigen


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    Übersicht

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    Kapitel 1 Ein Onlinemagazin über Epilepsie

    Titelanimation mit Blitz

    Logo kopf feuerwerk
    Kapitel 2 Was ist Epilepsie?

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    Hirn

    Justitia 2597016 1920
    Kapitel 3 Der Anfall - Was tun?

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    Kapitel 4 Leben mit Epilepsie

    Spring awakening 3132112 1920
    Kapitel 5 Kunst und Kultur

    Agypten
    Kapitel 6 Widmung

    Milky way 2695569 1920

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