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Los geht's

Das Streben nach Perfektion

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Der Weg zum professionellen Balletttänzer ist voller Strapazen. Ohne absolute Hingabe und Verzicht bleibt der Traum nur Fiktion. Nur wer sein Leben dem Tanz widmet, hat eine Chance.

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Der 20-jährige Vincent Travnicek trainiert jeden Tag mehrere Stunden, um eines Tages als erfolgreicher Balletttänzer auf der Bühne zu stehen. Im Sommer legt er die Abschlussprüfung an der John Cranko Schule in Stuttgart ab. Danach darf er sich staatlich geprüfter Klassischer Tänzer nennen.

Vincent stammt aus einer multikulturellen Familie. Seine Wurzeln liegen in Tschechien, Ungarn und Kamerun. Aufgewachsen ist er im beschaulichen Schwäbisch Gmünd.



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[Duden: (Musik) Kopfteil der Fuge mit der ersten Durchführung des Themas.]

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Erlebt Vincents Wandlung

Mit zwölf Jahren wechselt Vincent an die John Cranko Schule in Stuttgart. Etwa 120 Kinder und Jugendliche lernen hier eine Kombination aus Balance, Grazie und Ausdauer.

Im selben Jahr wird ein Platz im Wohnheim der Schule frei. Vincent zieht von seinem Zuhause in die Landeshauptstadt. 520 Euro kostet die monatliche Unterbringung. Dazu kommen die Kosten für den Ballettunterricht, die mit dem Alter steigen. Im ersten Jahr der Akademie haben die Ballettschüler unter anderem theoretischen Tanz- und Musikunterricht. Zusätzlich werden sie in Englisch und Anatomie unterrichtet. Nach jedem Schuljahr entscheiden die Trainer, wer weitermachen darf.

Währenddessen besucht Vincent die Realschule und macht später sein Fachabitur. Mit Kevin, seinem besten Freund und ehemaligen Zimmergenossen aus dem Wohnheim, zieht er mit 16 in eine Wohnung nahe der Schule.

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Für einen Besuch in der Heimat bleibt Vincent zwischen den Proben kaum Zeit. Seine Mutter kommt daher regelmäßig nach Stuttgart. Dann gehen die beiden Indisch Essen oder in ein Café.

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„Als Vincent gesagt hat, dass er ausziehen will, um seinen Traum zu leben, fand ich das gar keine so verrückte Idee. Ich habe immer daran geglaubt, dass er das schafft, und habe ihn gleich unterstützt. Ich hatte immer das Gefühl, dass er in der Schule und im Wohnheim gut aufgehoben ist und hervorragend betreut wird. Obwohl wir uns nicht mehr jeden Tag gesehen haben, waren wir trotzdem mental miteinander verbunden.“

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„Das Pendeln war um einiges anstrengender als das Leben im Wohnheim, weil man oft erst nach 21 Uhr nach Hause gekommen ist und morgens wieder um 6 Uhr mit dem Zug in die Schule musste. Das hat so viel Energie gekostet, dass ich mich unheimlich über den Wohnheimplatz gefreut habe. Dort gab es Erzieher, zu denen man eine persönliche Verbindung aufgebaut hat. Mit vielen bin ich immer noch befreundet.

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[Duden: (Musik) Entwicklung und Verarbeitung eines Themas und seiner Motive]

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8 Uhr.
Vincent betritt den Ballettsaal. Wärmeschuhe und Stulpen halten seine Muskeln warm. Bereits der Geruch im verwinkelten Treppenhaus lässt erahnen, wie hart hier trainiert wird. Mit Kopfhörern in den Ohren beginnt er das tägliche Dehnen vor der ersten Unterrichtseinheit.

9 Uhr.
Inzwischen hat Vincent seine warmen Klamotten abgelegt. Nach einer gemeinsamen Verbeugung beginnen die ersten Übungen an der Stange. Jeder Muskel steht unter Spannung. Nach wenigen Minuten tropft der Schweiß auf den abgenutzten Boden. Anschließend springen die Tänzer durch den Saal.

11 Uhr.
Nach einer Viertelstunde Verschnaufpause folgt eine Probe für die Schulaufführung. Kurz erinnern Gelächter und Witzeleien an eine gewöhnliche Schulklasse. Im Takt der Musik trippeln die Tänzer zur Choreographie, während die Lehrerin jeden Bewegungsablauf mit strenger Stimme kommentiert und bis zur Automatisierung wiederholen lässt.







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Der Direktor der Schule, Tadeusz Matacz, reist um die ganze Welt, um vielversprechende Tänzer anzuwerben. Besondere Talente werden mit einem Stipendium gefördert. Die Schüler stammen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt. Im Unterricht und untereinander wird daher teilweise Englisch gesprochen.

Jungen und Mädchen werden in der Regel getrennt unterrichtet. Nur bei Proben für Schulaufführungen und Gastspiele sowie den Fächern Pas de deux, Spanischer Tanz und Moderner Tanz trainieren sie zusammen. Die Klassen der Akademie sind klein. Mit Vincent tanzen sechs weitere junge Männer in der Oberstufe der Akademie.


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15 Uhr.
Nach einer kurzen Mittagspause muss Vincent seine Tasche packen. Für eine Rolle in „La Fille mal gardée“ probt er im Staatstheater mit erfahrenen Tänzern. Moderne Tanzformen sind ebenfalls Teil des Unterrichts: An anderen Tagen steht Spanischer Tanz auf dem Stundenplan.

16.30 Uhr.
Für heute ist Vincent fertig. Zusätzliches Kraft- und Ausdauertraining ist den Tänzern selbst überlassen. Ein ganzes Wochenende ohne Proben ist jedoch selten. Viel Freizeit bleibt da nicht. Morgen geht es wieder um 8 Uhr los.

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Die wenigen freien Stunden nutzt Vincent zur Regeneration. Nach einem intensiven Training schaltet er am liebsten beim Lesen oder Netflix-Schauen ab. Wenn es der Trainingsplan erlaubt, trifft er sich mit seinen alten Schulfreunden außerhalb des Ballett-Kosmos. Dann gehen sie ins Kino oder in die Stadt.

Die Freiheit, in seinem Alter eine längere Reise unternehmen zu könnnen, vermisst er nicht. Mit der Compagnie komme man später sowieso viel in der Welt herum, meint der junge Tänzer. Auch abends um die Häuser zu ziehen ist für Vincent keine Option. Im Gegensatz zu anderen Gleichaltrigen lebt Vincent ein asketisches Leben, ordnet dem Tanzen alles unter.





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Schon Dimitri Magitovs Eltern waren professionelle Balletttänzer. Mit 13 Jahren schicken sie den Ukrainer auf die beste Ballettschule der ehemaligen Sowjetunion in Moskau. Seine erfolgreiche Karriere endete fast drei Jahrzehnte später im Stuttgarter Ballett, bevor er Lehrer an der John Cranko Schule wurde.

Harte und tägliche Arbeit sei entscheidend für eine Laufbahn als Tänzer. Und das Talent? „Vielleicht 20 Prozent“, sagt der Ballettpädagoge. Inzwischen unterrichtet er Vincent seit über acht Jahren, kennt ihn seit der zweiten Ballettklasse.




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[Duden: (Musik) Wiederholung eines bestimmten Teils innerhalb einer Komposition]

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Als junger Tänzer muss sich Vincent in der Compagnie des Stuttgarter Balletts neu beweisen.

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Alltag im Leben eines Tänzers: Vortanzen, sich immer wieder präsentieren. Die Konkurrenz ist groß und nur die Besten werden in eine Compagnie aufgenommen. Vincent hat bereits einen Vertrag mit dem Stuttgarter Ballett. Doch die Verträge laufen meist nur ein bis zwei Jahre. Danach heißt es neu beweisen – auch für Vincent.

Ein Durchschnittsgehalt von circa 2800 Euro brutto ist in der Branche üblich. Im besten Fall können die Tänzer ihrer Leidenschaft bis zum 40. Lebensjahr nachgehen.




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Im letzten Ausbildungsjahr der Akademie tanzen die Schüler bei verschiedenen Compagnien vor. Hier kommt es auch auf die Größe an. Das Gardemaß für Männer beträgt 180 Zentimeter, Frauen sollten etwa 165 Zentimeter groß sein. Durch die enge Zusammenarbeit während der Schulzeit werden viele Absolventen vom Stuttgarter Ballett übernommen. Etwa 70 Prozent der Compagnie sind ehemalige Schüler der John Cranko Schule.

Aus Vincents erstem Jahr an der Ballettschule tanzt niemand mehr an der Akademie. Nicht jeder Heranwachsende ist der physischen und psychischen Belastung gewachsen.




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In der zweiten Ballettklasse bricht sich Vincent bei einem Sturz im Training den Arm. Zwei Monate lang kann er nur einfache Übungen machen. Das deprimiert den jungen Tänzer, auch wenn er Glück im Unglück hat: Es ist immerhin nicht das Bein.

Der Körper ist das Kapital des Tänzers. Leidet der Körper, leidet die Karriere.

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Shine on you crazy diamond.
You were caught on the crossfire of childhood and stardom,
Blown on the steel breeze.
Come on you target for faraway laughter,
Come on you stranger, you legend, you martyr, and shine!
You reached for the secret too soon, you cried for the moon.

Pink Floyd – Shine On You Crazy Diamond


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Etwa fünf Mal im Jahr treten alle Schüler der John Cranko Schule gemeinsam auf. Daneben können einzelne Schüler für Aufführungen der Stuttgarter Compagnie verpflichtet werden. Wichtige Rollen werden mit bis zu fünf Personen besetzt, falls die Tänzer aufgrund von Verletzungen oder Krankheit ausfallen.

Während Vincent seine Vorbilder früher bei Aufführungen bewundert hat, tanzt er heute selbst vor rund 1500 Leuten im Staatstheater. Mit der Routine kommt die Sicherheit: Die Bewegungen sind fest in seinem Gedächtnis eingeprägt. Doch auch wenn das Publikum am Ende begeistert klatscht, findet Vincent immer etwas, mit dem er nicht zufrieden ist.

Sein großes Ziel: Die Hauptrolle in Romeo und Julia zu tanzen.







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Eine Multimedia-Reportage von:

Eileen Breuer | Nina Büchs | David Groß
Cosima Staneker | Simon Wörz

Mit besonderem Dank an die John Cranko Schule, die Tagesbar Apotheke, das Stuttgarter Ballett, Doktor Liane Simmel, Dimitri Magitov, Petra Travnicek und natürlich Vincent.



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